//
du liest...
Beiträge

XING, ich verstehe dich nicht.

Derzeit habe ich das immer konkreter werdende Gefühl, dass XING viele kleinere und mittlere Unternehmen von seiner Plattform vertreibt – und sich damit selbst mittelfristig das Genick bricht.

Viel hat dies mit der Veränderung bei den Unternehmensprofilen zu tun, die seit Mai letzten Jahres in Kraft getreten ist. Wenn ich mir die beiden Profil-Optionen ansehe, die XING Unternehmen anbietet, so können Unternehmen heute zwischen einem Employer Branding-Profil ab 395 Euro im Monat sowie einem Gratis-Profil für Minimalisten wählen. Dabei staffeln sich die Kosten für das Employer Branding-Profil nach der Mitarbeiterzahl.

Ich frage mich gerade, wie viele Unternehmen sich künftig ein Employer Branding-Profil leisten (können). Für ein Unternehmen mit 100 Mitarbeitern wären dies im Jahr schlappe 4.800 Euro, für ein Unternehmen mit 250 Mitarbeiter bereits 6.000 Euro. Mhhhh. Gerade für kleine und mittelständische Unternehmen ist dies ein ganz schöner finanzieller Brocken, den kaum jemand in seinem HR-Budget berücksichtigt hat.

Ist kununu so relevant?
XING hebt beim Employer Branding-Profil die Vorteile von kununu hervor – als Unterschied und USP zu den bis Mai 2013 gültigen 129 Euro-Profilen. Aber ganz ehrlich: Welche Relevanz haben 10-30 Bewertungen auf kununu, die viele kleinere und mittlere Unternehmen möglichen Bewerbern zeigen können? Gerade auch vor dem Hintergrund der vielen Diskussionen und Reports über gefakte Einträge bzw. 20-30 Prozent gefälschter Rezensionen in Bewertungsportalen? Außerdem: Wenn, wie es derzeit immer häufiger geschieht, Unternehmen immer stärker ihre eigenen Mitarbeiter dazu aufzurufen, auf kununu für ihr Unternehmen zu stimmen bzw. ihre Zufriedenheit (denn wer will wohl seinen Job riskieren) auszudrücken, um ihre kununu-Noten zu verbessern: Verlieren solche Einträge damit nicht noch stärker an Glaubwürdigkeit? Und zwar gerade bei den Bewerbern, also den hier implizit angesprochenen Stakeholdern?

In unserem hübschen Nachbarland Österreich scheint die kununu-Bindung übrigens nicht gerade überragend zu ziehen. So hat Michael Rajiv Shah im Februar darüber berichtet, wie gering dieser Marktplatz genutzt wird. Ist dies bei uns so anders? Wenn jemand dazu konkrete Zahlen hat, immer bitte her damit.

Wertverlust für Premium-Mitglieder
Was sollen wir als Coaches und Berater jetzt unseren Kunden empfehlen? Das Employer Branding-Profil sicherlich nur in den absolut seltensten Fällen. Solange XING nicht ein kleineres Paket (wieder) anbietet, werden viele wohl eher auf das Gratis-Profil setzen, ihr Profil ganz löschen oder gleich auf LinkedIn umsteigen. Denn in einer auch dort immer stärker wachsenden deutsch(sprachig)en Business-Gemeinde finden sie genau die passenden, gestaffelten Preismodelle.

Und noch etwas, was ich nicht verstehe: XING sägt damit parallel doch am Ast, auf dem das Unternehmen noch sitzt: Den Premium-Mitgliedern. Denn mit immer weniger Unternehmen wird für viele – auch für mich – die eigene Premium-Mitgliedschaft immer wertloser bzw. weniger relevant. Und diese ist nunmal die Hauptfinanzquelle, über die sich XING finanziert. Also Xing, erkläre mir das doch bitte mal genau.

About dominikruisinger

Ideen, Gedanken, Anmerkungen von Dominik Ruisinger – Journalist, Dozent, Coach, PR-Berater, Autor der Fachbücher 'Online Relations' und 'Public Relations'

Discussion

4 thoughts on “XING, ich verstehe dich nicht.

  1. Lieber Dominik, Danke für die Erwähnung des Februarpostings. Derweil habe ich auch die DAX30 untersucht, um auch für Deutschland relevantes Datenmaterial zu haben. Hier zur Infografik der DAX30 Kununu-Analyse http://bit.ly/DAX30-Vergleich, die lässt sich übrigens embedden😉

    Was die XING-Strategie angeht. Die Kleinen und Mittleren, denen es wichtig ist werden eh da bleiben. XING selber fokussiert diese allerdings schon lange nicht mehr. Ebensowenig wie der grosse blaue Wettbewerb aus den USA. Der Punkt, der mir in der Fragestellung des Blogpostings fehlt ist die Infragestellung der Sinnhaftigkeit eines bezahlten XING-Unternehmensprofils für Marketingzwecke.

    Bei meinen Analysen bin ich auf ein Muster gestossen das ich “Follower pro Mitarbeiter” (FPM) nenne. Ähnlich den “Pro-Kopf-Umsatz” in einer Bilanzbetrachtung. Derweil beweist eine Anzahl von n=168.608 Mitarbeitern, dass das Fussvolk bei LinkedIn längst entschieden hat. Fakt ist, dass bei fast allen von mir beobachteten Unternehmen gibt es mehr FPM und das völlig egal ob ein Unternehmen aktiv auf LinkedIn ist oder nicht.

    Siehe http://bit.ly/FPM-KPI-3-Peergroups😉

    Herzliche Grüsse aus Wien.
    der http://www.MiSha.at

    P.S.: Die “Lesung” in Berlin ist am 7.05. https://www.xing.com/events/1395923 Hoffe wir lernen uns kennen😉

    Posted by networkfindercc | 29. April 2014, 7:44 pm
  2. Lieber Michael,

    danke dir für deinen ausführlichen Kommentar. Bei der Frage nach der Sinnhaftigkeit eines bezahlten XING-Unternehmensprofils liegen wir ganz nah beieinander. Dies meinte ich u.a. auch mit der Frage, was man als Coach/Berater empfehlen sollte. Denn mit der Frage “Was bringt mir denn so ein XING-Unternehmensprofil?”, werde ich immer häufiger konfrontiert – mit der Tendenz, zum kostenfreien Profil samt LI-Präsenz zu raten.

    Spannend finde ich wirklich das Muster “Follower pro Mitarbeiter”. Ich glaube aber, dass sich die LI-Präferenz auch damit erklären lässt, dass alle 30 DAX-Unternehmen international ausgerichtet sind und damit eine deutlich engere LI- als XING-Ausrichtung haben. Wenn man dieselbe Studie mit rein deutschen Unternehmen machen würde, kämen wir wahrscheinlich zum Ergebnis, dass zwar die LI-Präferenz geringer ist, aber auch XING keine Rolle spielt.

    Auf jeden Fall erwartet uns hier eine spannende Diskussion, die ich gerne am 7. Mai weitergeführt hätte. Nur bin ich selbst in einem Workshop bis kurz nach 21 Uhr, so dass wir es wahrscheinlich verschieben müssen.
    Abendliche, noch sonnige Grüße aus Berlin schickt

    Dominik

    Posted by dominikruisinger | 29. April 2014, 7:59 pm
    • Lieber Dominik, jetzt sind wir beim duZEN und das ist gut so. Was das FPM-Muster angeht. Nein, es gilt nicht nur bei DAX30, sondern bei über 150 untersuchten Unternehmen. Darin sind auch etliche Kleine; vor allem auch viele Unternehmen, die überhaupt gar nicht aktiv sind, sondern nur ein Profil haben😉

      Posted by networkfindercc | 30. April 2014, 12:36 pm
      • Lieber Michael, jetzt weißt du, warum ich in den letzten Jahren die englische Sprache so schätzen gelernt habe ;-): Ansonsten nochmals danke für die Klärung des FPM-Musters. Es macht nur stärker deutlich, wohin die Reise gehen wird.

        Posted by dominikruisinger | 30. April 2014, 1:57 pm

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

%d bloggers like this: