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Zuggeschichten

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Wenn Personaler ihren Job verfehlt haben

Viele werden diese Erfahrung kennen: Sie steigen – vielleicht wie in diesem Fall sogar frühmorgens – in einen Zug ein, finden sogar einen Platz in einem gerne bereits leicht überfüllten Abteil, wollen sich vor dem nächsten Meeting noch etwas entspannen, durch Unterlagen blättern oder sogar eines dieser aussterbenden Produkte namens Tageszeitung bedienen … doch dazu wird es nicht kommen. Denn genau in Ihr Abteil und natürlich nicht weit von Ihrem bisher noch so ruhigen Platz wird sich ein Herr – ja, es sind meistens Herren – niederlassen, um die ruhige Stimmung für laute Telefonate (denke schon mit Grauen daran, wenn dies bald auch in eingeengten Flugzeugreihen möglich sein soll) oder noch lautere Gespräche mit seinen genauso aktiven Nachbarn zu nutzen. Extrem gesprächige Herrschaften in den Morgenstunden sind mir generell verdächtig. Aber warum sie dazu auch noch den ganzen Zug mitfoltern wollen, bleibt mir ein Rätsel.

Aber okay, so nah, so übel: Vor gut einer Woche durfte ich Ähnliches erleben, bei einer morgendlichen 7.27 Uhr Fahrt mit der Deutschen Bahn von Stuttgart zum DAPR-Seminar nach Frankfurt. Als ich den Zug betrete und meinen reservierten Platz einnehme, ist das Abteil halb voll. Mit mir betreten zwei Frauen den Waggon: Eine etwas jüngere, schlankere, dem gemeinsamen Unternehmen erst kürzlich zugehörig und darum noch etwas unsicher und zurückhaltend; und eine mittelalterliche, kräftige, im Unternehmen erfahrene Blondine, die sich auch als eindeutige Wortführerin herausstellen wird.

Warum ich das weiß? Weil sie von diesem Zeitpunkt an bis zum Ausstieg am Frankfurter Flughafen so laut sprechen werden, dass selbst eine Entfernung von acht Sitzreihen bis zu ihren Tischplätzen nicht davor schützte, ein Hörspiel „Live aus der Firma“ zu erleben: Über die aktuelle Arbeitssituation bei der Firma (ich nenne sie hier besser mal nicht), über den Chef der Dicken, sorry Kräftigen (dessen Namen ich auch verschweige), dessen Marotten, über die schwierigen Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens, über die letzen Bewerber – natürlich namentlich -, deren Stärken, Schwächen und komisches Auftreten und natürlich über das heutige Meeting in Frankfurt plus der kommenden Weihnachtsfeier.

Warum diese Themen? Sie ahnen es schon. Bei den beiden herzigen Damen handelte es sich um zwei Personalerinnen des Unternehmens, die Kräftige alteingesessen aber ohne HR-Ausbildung, die Schlanke neu, aber dafür aus der Branche kommend. Zumindest haben sie es so berichtet.

Ich weiß wirklich nicht, was diese beiden geritten hat, dieses Feuerwerk an Insider-Informationen unbedingt laut im Zug an wehrlose Passagiere zu verteilen bzw. zu verbreiten. Nur weiß ich, dass vor allem Frau Kräftig in ihrer Berufswahl verdammt falsch gelegen ist. Denn quatschen, tratschen, lästern stand sicherlich nicht in ihrer „Job-Description“. Oder etwa doch?

P.S.: Nicht dass jetzt ein Aufschrei kommt. Natürlich wird das die meisten Personaler/innen eher erschüttern und nicht betreffen. Nur auch in dieser doch eher sehr sensiblen Branche gibt es Ausrutscher, von denen ich hier berichten musste.

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