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War of Talents

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Was die PR Report Awards mit dem War of Talents zu tun haben

Gestern Abend habe ich mir nochmals das kurze Video „Der Krieg um Köpfe eskaliert!“ auf The Third Club angesehen. Darin beklagt Mirko Kaminski von achtung! den immer stärker eskalierenden „War of Talents“, den Kampf um Köpfe, der bis in die PR-Agenturen hineinreicht. Mitarbeiter würden direkt aus der Agentur abgeworben werden. Viele Projekte ließen sich mangels qualifizierten Personals nicht mehr realisieren. Das Problem sei, so Kaminski, dass es in vielen Agenturen in den letzten Jahren „mehr um Margen denn um Menschen, mehr um Boni für Agenturmanager denn um Bindung von Mitarbeitern, mehr um Akquise neuer Kunden denn um Ausbildung junger Talente“ gegangen war. Dies könnte künftig dazu führen, so seine Prognose, dass Agenturen schließen müssten, weil sie keine Mitarbeiter mehr finden würden.

Mirko Kaminski hat vollkommen Recht. Und zwar in allem, was er hier sagt. Es ist eine vollkommen berechtigte Klage an die eigene Branche – und damit an sich selbst -, sich zu wenig mit der Nachwuchsförderung auseinandergesetzt zu haben. Gleichzeitig ist es Ausdruck einer Angst vor der ungewissen Zukunft: Keine Agentur, kein Unternehmen, keine Institution wird sich künftig dem „War of Talents“ und damit auch dem „Loss of Talents“ entziehen können. Jeder wird am Verlust von guten Mitarbeitern leiden. Und verzweifelt nach neuem Personal suchen. Doch neben Ausbildung bestehender Mitarbeiter, Headhunting und anderen Maßnahmen:  Welche Chancen bietet die Branche für ein Talent-Scouting?

Kein Award für Studierenden

19. April 2012: In Berlin werden die diesjährigen PR Report Awards verliehen. In 21 Kategorien sind mögliche Preisträger nominiert und werden Preise verliehen – für großartige Kampagne, kleine feine Kampagnen und eher mittelmäßige Kampagnen. Die einzige Kategorie, die in diesem Jahr gestrichen wurde, ist die Kategorie „Bester Student/in des Jahres“. Der Grund – so Moderatorin Barbara Schöneberger: Keiner der Nominierten hätte die Jury völlig überzeugen können. Übersetzt bedeutet dies: Die Jury befand keinen als wirklich gut und preiswürdig.

Dies war der traurige Moment bei den Awards. Nur wie kam es dazu? Gab es nicht ausreichend Interessierte an einer Nominierung? Konnten die Hochschulen ihre besten Studierenden nicht für eine „Bewerbung“ motivieren, obwohl sie sich doch direkt vor ihren Arbeitgebern aus Agenturen und Unternehmen zeigen, die nur so nach Talenten suchen? Fehlte der Sponsor-Pate für diesen Nachwuchs-Award? Setzte die Jury zu strenge Maßstäbe an, die nur schwer zu erfüllen waren? Alles nur schwer vorstellbar. Ich selbst war nicht in der Jury und kann diese Frage daher final nicht beurteilen.

Negatives Signal an die Branche

Eines weiß ich aber: Die Jury hat auf jeden Fall mit der Nicht-Vergabe ein sehr negatives Signal ausgesendet, das hoffentlich ein einmaliger Fehltritt bleibt. Diese Veranstaltungen sind zentrale Schaufenster der Branche – und zwar der gesamten Branche. Die Kategorie „Student/in des Jahres“ ist eine „Must-Kategorie“, die Nichtvergabe – wie das PR-Journal schreibt – „ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen und eine Zumutung gegenüber dem hochqualifizierten deutschen PR-Nachwuchs“.

Unabhängig von der absoluten Qualität der Nominierten hätte eine Prämierung das positive Signal an den Nachwuchs und die „Talents“ ausgegeben, „wir schätzen euch, wir brauchen euch, wir wollen euch fördern und ihr gehört zu uns“. Professoren und Dozenten müssen gleichzeitig ihre Studierenden (weiterhin) verstärkt auf solche Chancen aufmerksam machen und sie zur Bewerbung motivieren. Denn wenn es nicht gelingt, diesen Nachwuchs – Studierende, Trainees, Absolventen, auch Junioren – verstärkt in solche Veranstaltungen zu integrieren, wo soll denn dann die „Search for Talents“ noch hinführen?

Ich weiß: Dies sind nur zwei Beispiele, die ich hier explizit herausgepickt habe. Aber sie zeigen, wie weit die Suche nach Talenten und die Integration von möglichen Talenten noch auseinanderklaffen. Diese Lücke muss geschlossen werden. Und zwar ganz schnell.

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