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Usability

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Über die Rolle von Titeln, Teasern und gekürzten Blogbeiträgen.

Welche Auswirkungen haben Titel und gekürzte Feeds auf das mobile Leseverhalten? Gravierende. Denn auch wenn es zwei getrennte Themen sind, beeinflussen sie doch das Leseverhalten von Usern kräftig. Beide auf ihre Weise – und dann auch kombiniert, wie ich in diesem Gedankenspiel anhand meines eigenen Leseverhaltens beschreibe.

In den letzten Monaten ist mir aufgefallen, dass sich die Zahl derjenigen weiter erhöht hat, die Blog-Beiträge im RSS-Reader nicht mehr komplett anzeigen lassen. Bei vielen steckt wahrscheinlich der Gedanken dahinter, auf diese Weise mehr Leser auf ihre Webseite zu ziehen und vielleicht sogar den eigenen Content besser zu monetarisieren, worüber im Frühjahr u.a. bereits Kai Thrun und Martin Weigert berichtet hatten. Vielmehr lässt sich über Feedreader nur noch das Intro abrufen, was auf einem Smartphone-Display auf ca. 10 Zeilen hinausläuft. Schade, denke ich mir immer wieder. Wirklich. Denn dieses Spiel funktioniert glaube ich nicht überall. Im Gegenteil: Oft verlieren sie eher Leser – ob als Intensiv-Leser ihrer Beiträge oder gar als Abonnenten ihrer RSS-Feeds. Wie ich das genau meine?

Am Besten erkläre ich dies an meinen eigenen Lesegewohnheiten, um auf diesem Wege ein weiteres relevantes, redaktionelles Problem aufzuzeigen – Stichwort Leserattraktion und Leserbindung.

Stufe 1: Von Scannern und Skimmern
Ich selbst habe ca. 200 Feeds abonniert, die ich jeden Tag durchlese, sofern sie mit etwas Neues bieten. Doch lese ich diese? Laut des dänischen Usability-Gurus Jakob Nielsen sowie einer britischen Studie aus dem vergangenen Jahr sind Online-User weniger Leser als vielmehr Scanner oder gar Skimmer. Das heißt: Sie nehmen nur einen Teil der Inhalte wahr – es wird gerne von 10 bis 25 Prozent gesprochen; und dabei vor allem die Inhalte, die im Text hervorgehoben werden, wie Titel, Zwischenüberschriften, Lead-Texte, Bilder samt Unterschriften oder auch Aufzählungen.

Ich gestehe: Ich gehöre zu diesen Scannern und Skimmern. Nicht was mein allgemeines Lese- oder Online-Leseverhalten betrifft; nein, dieses nicht; aber auf jeden Fall bezogen auf mein Feed-Leseverhalten. Dies wird mit Sicherheit für viele so gelten. Das heißt, ich switche quasi durch meine täglichen Feeds, insbesondere dann, wenn ich auch mal ein paar Tage nachholen und nachlesen muss.

Mein Switchen erfolgt zu 99 Prozent per Smartphone. Ob über die hübsche feedly-App oder die von mir aufgrund ihrer Reduktion geschätzte Reeder-iPhone-App, die hoffentlich irgendwann Google+ in ihre Weiterleitungsfunktion integriert: Bei meinem Switchen fokussiere ich mich fast ausschließlich auf Titel und – wenn dieser zieht – auch noch die ersten Sätze, quasi den Lead-Text. Titel, nächster Titel, nächster Titel – so springe ich oft in Sekundenschnelle von Textbeitrag zu Textbeitrag, bis ich an einem Titel hängen bleibt, der mein aktuelles Interesse trifft.

Übersetzt heißt dies: Wer keine klaren Titel schreiben kann bzw. ich nicht sofort an Hand des Titels erkennen kann, um was es sich in diesem Beitrag handeln wird bzw. könnte, flippe ich schon weiter. Und das soll jetzt nicht böse klingen: Aber ich kann es kaum glauben, wie viele schlechte, belanglose, nichts aussagende und nicht zum Text hinführende Titel es gibt. Wollen die denn keine Leser haben? Zumindest verlieren sie mich als Leser. Ob wir mal ein Titel-Schreiben-Training machen sollten ;-)?

Stufe 2: Von Verkürzern und Verlierern
Erachte ich den Titel und den eventuell vorhandenen Teaser als interessant, würde ich gerne einen Blick in den Beitrag werfen. Also kurz weiterscrollen – und hey, wo ist der angepriesene Text? Nach dem vorerst gelösten Problem 1 sind wir schon bei Nummer 2 angelangt: Der von mir gesuchte Beitrag wurde gekürzt und wird anstatt als Full-Feed nur noch wenige Zeilen lang angezeigt. Wer ihn ganz lesen will, muss per Link auf die Website klicken. Diejenigen, die sich absolut für diesen Text interessieren, werden jetzt klicken. Aber die anderen „Switcher“ wie mich?

Für mich ergeben sich in diesem Moment genau zwei Optionen: In seltenen Fällen und wenn er mich wirklich sehr interessiert, packe ich den Text per Pocket in die Später-Lesen-Rubrik; meist verliert der Beitrag in diesem Moment aber in meinem Kopf seine Relevanz und ich switche zum nächsten Beitrag. Von diesem Moment an hat der vorherige Beitrag mich also als möglichen Leser, Multiplikator und Weiterleiter verloren. Hinzu kommt ein zweites Problem: Hat schon mal jemand auf einen solchen Link geklickt, während er im Zug oder in der Berliner U-Bahn auf Internet-Zugang (vergeblich) hoffte, wartete? Und lesen nicht viele gerade ihre Feeds unterwegs, wenn die Internet-Verbindung nicht immer grandios ist, wie es in unserem Land nun einmal leider ist, wie auch die folgende Grafik verdeutlicht?

Infografik: Deutsches Internet hinkt der Weltspitze hinterher | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Stufe 3: Lesson learned?
Was lässt sich an diesem meinem Verhalten lernen?

  1. Wer keinen klar verständlichen und auf den Inhalt hinweisenden Titel schreibt, wird viele Scanner und Skimmer verlieren. Sie haben nicht mal die Chance, den Inhalt des Beitrages wahrzunehmen, da sie schon beim Titel verloren gehen. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Titel als entscheidende Brücke und Türöffner wie bei einer Pressemitteilung oder einem Newsletter ist also notwendig.
  2. Wer mit einem gekürzten Blog-Post auf neue Website-Besucher hofft, wird RSS-Leser eher verlieren. Solange hier nicht die technischen Bedingungen erfüllt sind und überall eine gute Internet-Verbindung herrscht, wird das Warten auf den Text nach dem Klick für viele zu mühsam und zeitintensiv sein. Netzinfrastruktur-Minister Alexander Dobrindt sprach Anfang des Jahres davon, Deutschland in die digitale Championsleague zu bringen, Europa-League würde mir persönlich schon als ersten Erfolg ausreichen.
  3. Lässt sich dieses Beispiel auf alle übertragen? Natürlich nicht. Nur glaube ich, dass sich mein RSS-Feedreader-Leseverhalten nicht so wahnsinnig von anderen Online-Text-Ratten unterscheiden wird. Oder liege ich da völlig falsch?

Gedankenspiele-Lesetipps vom 25-03-14

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Die Lesetipps in den Gedankenspielen vom 27. August – heute mit Kevin Spacey

  • Was für eine gandiose Rede von Kevin Spacey: In knapp 5 Minuten spricht er nicht nur über seine preisgekrönte TV-Serie „House of Cards“, die nur Netflix bringen wollte, aber kein anderer TV-Sender. V.a. spricht er von den Lehren aus der Musikindustrie: „The audience wants the control“ (…) Also – so Spacey: „Gebt den Menschen, was sie wollen, wann sie es wollen, in der Form, wie sie es wollen und zu einem vernünftigen Preis. Dann werden sie eher dafür bezahlen als die Inhalte zu stehlen.“ Und dies unabhängig vom Endgerät, denn: „It’s all content, it’s just story.“ Ansehen!

    tags: fernsehen Film Spacey

  • Wie lassen sich Texte relevanter gestalten? Und welche Methoden und Tools kann ich dazu einsetzen? Danny Nauth hat dazu einen umfangreichen wie praxisnahen Text geschrieben, der sich mit der adäquaten Zielgruppenansprache, mit unique Content bei Produkttexten und der emotionale wie übersichtlichen Textgestaltung beschäftigt.

    tags: Webseite usability text

  • „Der Kunde wird zum Sender, das Unternehmen zum Empfänger“, beschreibt Mike Schwede die Chancen des Intention Marketings. Dabei geht es darum, die Intention der Kunden frühzeitig kennen zu lernen – und erst darauf adäquat zu reagieren. Das heißt: Zuhören, reden, einbinden, vernetzen. Spannend!

    tags: #Intentionmarketing #socialmedia #kundendienst

  • Die Karrierebibel hat 11 Beispiele herausgesucht, wie Unternehmen Instagram Videos benutzen könnten. Auch wenn ich nicht alle 11 wirklich als gelungen bezeichnen würde: Anregungen für die Möglichkeiten geben sie auf jeden Fall.

    tags: instagram Video case study

  • Daniel Schalling hat sich für die Gründerszene die neuen Facebook-Anzeigen vorgenommen. Welche Formate gibt es? Wo erscheinen die wo? Für welches Ziel sollte man welches Anzeigenformat wählen? Das Ergebnis ist ein sehr gutes und umfangreiches Special.

    tags: Facebook Ads Facebook Werbeanzeigen online-marketing

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Literatur: Online Marketing Praxisbuch im Test

Sommerzeit ist Lesezeit. Und warum sollte ich nicht einige der Bücher kompakt hier vorstellen, die derzeit meine Lese- und Schreibtische zieren? Vielleicht ist ja auch interessanter Stoff für andere dabei.

Unter anderen am imk Institut für marketing und kommunikation in Berlin-Mitte unterrichte ich seit einigen Jahren Online-Marketing. Eines meiner Lese-Standardwerke heißt seit einem Jahr: Das große Online Marketing Praxisbuch von Andre Alpar und Dominik Wojcik. Warum? Derzeit gibt es meiner Einschätzung nach kaum ein Buch, das so praxisnah und gleichzeitig so tief gehend (fast) alle zentralen Online Marketing Felder abdeckt.

Onlinemarketing Buch von Andre Alpar und Dominik Wojcik u.a. zu SEO, SEM, SEA

Das große Online Marketing Praxisbuch

Kapitel für Kapitel werden sie abgehandelt: Vom notwendigen Grundlagen-Know-how, über die Usability bis hin zur Webanalyse und der Conversion-Rate-Optimierung. Vom klassischen Display-Advertising, E-Mail- und Affiliate-Marketing bis zum vitalen, dem mobilen und dem Social Media Marketing. Dass der Fokus des Buches auf den Bereichen Suchmaschinen-Marketing (SEO+SEA=SEM) liegt, ist auf den beruflichen Hintergrund der beiden Autoren, der erfahrenen Online-Marketeer Andre Alpar und Dominik Wojcik alias boeserseo zurückzuführen.

Alle Kapitel werden mit Beispielen vorwiegend aus dem Rocket Internet Umfeld (Ex-Arbeitgeber von Alpar) konkretisiert und mit Interviews mit externen Online-Marketing-Experten vertieft. Gleichzeitig ist schnell lesbar, dass sich das Buch nicht vorwiegend an Einsteiger sondern vielmehr explizit an Online Marketing-Fortgeschrittene und -Profis richtet. Gerade diesen kann dieses Buch als hervorragendes Nachschlagewerk, als Expertenhelfer, als fachliche Anregung dienen.

Dabei ist an dem Buch bei weitem nicht alles perfekt. Der Bereich Konzeption ist eher ausgeklammert, die Themen Social Media Marketing und vor allem E-Mail-Marketing kommen deutlich zu kurz, und die Aufmachung des Buches verärgert teils das Auge. Warum, lieber Verlag, könnt ihr nicht ein bisschen qualitativ wertvolleres Papier nehmen? Und v.a. durch Schriftgrößen und Formatierungen und unterschiedlichen Überschriften den Augen besser bei der Orientierung helfen? Aber ich weiß: Dann wäre auch der mit 35 Euro gute Preis für 750 Seiten geballtes Wissen kaum möglich.

Fazit: Wer sich ins Online Marketing vertiefen will, der kommt derzeit an diesem Buch nicht vorbei. Es ist auch eine meiner Top3-Kaufempfehlungen – für Studierende wie für Kolleginnen und Kollegen.

Fakten: Andre Alpar, Dominik Wojcik: Das große Online Marketing Praxisbuch, Data Becker, 2012

Gedankenspiele zu Online Relations vom 20. November

Unternehmen als Medien
Coca-Colas neue Website war sicherlich eines der Top-Themen der vergangenen Woche. Ob interaktives Magazin oder Infotainment-Portal – Martin Giesler hat dies zum Anlass genommen, sich über Unternehmen als Content-Produzenten und Medien wie Coca-Cola und Red Bull Gedanken zu machen – gerade vor dem Hintergrund kränkelnder Medien. Seine berechtigte Fragen: Holen sich künftig die Leser nur noch dort die Informationen ab, wo es wirklich spannend ist? Unabhängig ob Medium oder Unternehmen?

Webseite und Usability
Welche Anforderungen sind an eine Internetseite zu stellen?sozialmarketing.de hat eine Serie gestartet, um die Grundlagen einer guten NGO-Seite zu beschreiben. Nach den ersten beiden Teilen der 5-teiligen Serie kann ich nur sagen: Auch jede andere Webseite sollte die formulierten Anforderungen erfüllen.

E-Mail Marketing und Recht
Ein spannendes Interview hat Martin Schirmbacher zu den aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen beim E-Mali-Marketing dem EMailMarketingBlog gegeben; und sorgt mit seinen Aussagen zu Anmeldeprozess, Kopplungsverbot, Auswertung für mehr Klarheit.

Blogger und ihre Relevanz
In einer zweiteiligen Serie hat sich Thomas Pleil mit Blogger Relations auseinandergesetzt. Als Basis aus seinen Erfahrungen hat er ein interessantes Segmentierungsmodell für Blogger entwickelt, das er noch weiter entwickeln will und auch bei seinen Studierenden zur Diskussion stellen will.

Social Media und das Konzept
Die Bundeszentrale für politische Bildung hat sich mit einem guten Beitrag dem Thema Social Media Konzeption gewidmet. „Smarte“ Ziele, eindeutige Zielgruppen und Erfolgsfaktoren für den Dialog sind die Kernthemen der ersten beiden Teils der 4-teiligen Serie. Lesenswert, auch wenn ich nicht allen Erfolgsfaktoren zustimmen kann.

Facebook und die Abmahnungen
Langsam sollte auch das letzte Unternehmen wissen, dass der Facebook-Auftritt ein Impressum benötigt – auch ich hatte u.a. hier im Blog darauf hingewiesen. Welche Probleme trotzdem auftreten können, hat Thomas Schwenke in seinem Beitrag über die Impressumspflicht bei persönlichen Facebook-Profilen beschrieben.

Facebook und die Gewinnspiele
Wie war das nochmals mit Gewinnspielen, Wettbewerben und Promotions auf Facebook? Thomas Hutter hat einen wirklich grandiosen Über- wie Einblick erstellt, der so ziemlich alle Fragen beantwortet – zumindest Stand heute.

Foursquare und die Case Studies
25 Millionen Nutzer, 2,5 Milliarden Check-Ins in 40 Millionen Locations: Trotz dieser beeindruckenden Zahlen taucht Foursquare bislang nur in wenigen Socila Media Strategien auf – auch ich habe zumindest für Deutschland noch immer meine Vorbehalte. Simply Zesty hat dies zum Anlass genommen, zehn Foursquare Best Practice Kampagnen vorzustellen, die zum Nachdenken anregen. Vielleicht kommt Foursquare eines Tages doch noch bei uns an.

Google+ und SEO
Wie sich die eigene Google+-Präsenz auch im Sinne der Suchmaschinenoptimierung nutzen lässt, damit hat sich SMO14 auseinandergesetzt – und acht relevante Tipps formuliert.

Google+ Circles und wahre Chancen
Die Circles bei Google+ gelten bislang als eine der Hauptargumente für ein Engagement im Netzwerk von Google. Doch werden hier eigentlich schon alle Optionen wirklich genutzt? Mirko Lange sagt „Niet“ und fragt, warum sich User nicht direkt in die Circles eintragen lassen. Also ein Mix aus Eintrag in Newsletter in Kombination mit RSS-Feeds. Würde ich sehr schätzen.

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