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Gedankenspiele-Lesetipps vom 26.11.2014

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Wenn das Tagesmedium zum Wochenmedium werden wird.

Liegt die Chance vieler Tageszeitungen im Weiterbestehen als Wochenzeitung? Mit angeschlossenen Online-Newsbereich als Tagesaktualitäts-Ticker? Entwicklungen bei der taz, bei der Süddeutschen Zeitung oder bei der FAZ könnten Vorboten für eine im Grunde logische Entwicklung sein. Ein Gedankenspiel.

Wer einen Blick auf die aktuellen Nutzerzahlen der deutschen Tageszeitungen wirft, der wird nur eine Bewegung feststellen können: Abwärts – und dies schon seit mehreren Jahren. Wurden laut IVW im 3. Quartal 2004 noch 26,02 Mio. Exemplare verkauft, so waren es im 3. Quartal 2014 nur noch 19,39 Mio. Damit haben die Tageszeitungen in Deutschland innerhalb von zehn Jahren rund 25 Prozent ihrer verkauften Auflage verloren. Dieses Faktum ist nicht allzu neu. Spannend wird es aber, wenn man diesen Trend mit weiteren Entwicklungen auf dem Medienmarkt kombiniert, über die mich ein Beitrag im aktuellen Medienmagazin journalist (Ausgabe 11/2014) nachdenken lässt.

taz & more drängen auf Wochenendmarkt
Im Beitrag „Die neue Wochenendausgabe wird umgebaut“ (leider nicht online verfügbar) wird beschrieben, wie die taz noch stärker in den Wochenendmarkt drängen will – mit einer überarbeiteten und jetzt erwachsenen Wochenendausgabe, der taz.am wochenende. Chefredakteurin Ines Pohl beschreibt sie als „vorläufig letzten Schritt auf dem Weg hin zu einem eigenständigen Wochenendmagazin“. Mit diesem Wochenend-Streben bzw. dieser klaren Stärkung der Wochenend-Ausgabe ist die Berliner tageszeitung nicht allein: Sie folgt vielmehr einer bereits sichtbaren und schrittweisen Veränderung in der deutschen Medienlandschaft. Süddeutsche Zeitung und Frankfurter Allgemeine haben in den letzten Wochen einiges unternommen, um sich für das Wochenende und die Wochenend-Leser fein zu machen – und damit indirekt auch dem Primus „Die Zeit“ Konkurrenz zu machen.

Den taz-Ansatz beschreibt Pohl wie folgt: „Das neue Magazin berichtet, was relevant ist, die Unterscheidung in Tages-, Wochen- oder Monatsaktualität sind dabei untergeordnete Kriterien.“ Spätestens der zweite Teil dieses Satzes hat mich aufhorchen lassen: Keine „Unterscheidung in Tages-, Wochen- oder Monatsaktualität“? Hat die (Tages-)Zeitung als Vermittlerin von Tagesaktualität damit ausgedient? Damit meine ich endgültig?

Meiner Einschätzung nach spricht sie damit indirekt eine weitere, viel gravierendere Entwicklung an, vor der viele Medienhäuser noch stehen: Den Wandel von der gedruckten Tageszeitung zur gedruckten Wochenzeitung mit angegliedertem Online-Newsbereich für die Tagesaktualität, für die dann die Presseagenturen mit verantwortlich sein werden. Wenn ich in dem journalist-Beitrag weiter lese, dass laut Pohl die taz.am wochenende „vom Nachrichtenstrom nicht völlig abgekoppelt, aber nicht von ihm getrieben“ sein soll und Website und Tageszeitung den Spagat perfekt machen sollen, dann verdeutlicht dies diesen von mir angedeuteten Weg.

Recht stabiler Wochenzeitungsmarkt
Ein Blick auf die Wochentitel erklärt diesen nicht ganz überraschenden Wandel: Im Unterschied zu Tageszeitungen und zu Publikumszeitschriften haben Wochenzeitungen in den letzten Jahren lange nicht so stark unter der Printflucht zu leiden gehabt. Laut IVW haben sie innerhalb von zehn Jahren nur rund 8 Prozent eingebüßt; andere Medien wie Die Zeit konnten in den letzten Jahren laut IVW sogar Abonnenten hinzugewinnen; und dies unabhängig von der Altersstufe. Dass dies auch mit der hohen journalistischen Qualität der Zeit (ja, liebe Verleger, auch damit bindet man Leserinnen und Leser) zu tun hat, ist sicherlich einer der Gründe. Auf jeden Fall scheint für viele Menschen das Schmökern am Wochenende auf dem Sofa noch nicht der Vergangenheit anzugehören, sondern im Wochenend-Rhythmus verankert zu bleiben. Und ob per Print, Tablet oder App spielt mit Blick auf die Zukunft fast schon eine Nebenrolle. Also doch keine Printflucht?

Führt man sich diese beiden Entwicklungen vor Augen, ist es vor diesem Hintergrund nicht vermessen zu behaupten, dass der Konkurrenzkampf um die Wochenendlektüre in den nächsten zwei bis drei Jahren erheblich anwachsen wird. Immer mehr Tageszeitungen werden diese Chance für sich erkennen und den Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser aufnehmen, sodass sich damit selbst ein Qualitätsmedium wie Die Zeit auf Leserverluste einstellen muss. Denn nur wer genug Leser gewinnen und binden kann, wird in Kombination mit Website und weiteren digitalen Angeboten genügend Einnahmen generieren und diesen Schwenk rechtfertigen können.

Die Chance im Curating Journalism
Dies wird wiederum zu massiven Veränderungen in den Redaktionsalltagen der Tageszeitungen führen: Weg vom Agenturjournalismus, weg von der Jagd nach der nächsten News oder vom oftmaligen Nachrichten-Fastfood-Journalismus (und dies soll keine Kritik an den Journalisten selbst sein), der künftig fast komplett in den Online-Bereich ausgelagert werden wird; hin zu einem Hintergrundjournalismus, zu einem Curating Journalism, der sich nicht der News sondern der Einschätzung, Analyse und Bewertung von Entwicklungen widmet und damit den Lesern als Helferlein und einordnende Orientierungshilfe im Dickicht der Neuigkeiten andient. Fast könnte man sagen, dass Tagesmedien mehr oder weniger ihre Seite 3 auf das ganze Blatt ausbreiten.

Eigentlich haben viele Medien dazu die richtigen Voraussetzungen: Medienmarken, die jahrelang aufgebaut wurden und – noch – bei vielen eine positive Konnotation haben, zumindest eine hohe Bekanntheit und einen großen Vertrauensanker, der sich auch in erfolgreichen Nebengeschäften der Verlage niederschlägt; Mitarbeiter, die sich dieser Aufgabe als Analytiker, Hintergrundberichterstatter und Curator bereits teilweise widmen und bislang nicht selten fast neidisch auf die Wochenmedien blickten, die diesen Journalismus schon viel länger pflegen durften. Jedoch ist dieser Wandel nicht umsonst zu bekommen, sondern mit Investitionen verbunden, die weniger einem Relaunch denn einer enormen Management-Aufgabe und veränderten Denkweise gleichen. Und ob die Verlage dazu bereit sind?

Wer wird gewinnen?
Noch stehen wir ganz am Anfang dieses Prozesses, der – so meine heutige Einschätzung – mit Sicherheit kommen wird. Im vergangenen Jahr habe ich von Tageszeitungen in der Schweiz gelesen (Quelle verloren), die von einer täglichen Erscheinungsweise auf dreimal wöchentlich umgestellt haben – ein etwas halbgarer Versuch. Es ist davon auszugehen, dass derjenige sich durchsetzt, der sich als erstes bewusst ist, dass das eigene Überleben in einem Wochenmedium bestehen könnte. Und der den Schritt dann wagt. Die offensichtliche Stärkung der Wochenendausgaben bei taz, Süddeutsche oder FAZ zeigen mir zumindest, dass einige der Marken schon in den Startlöchern sitzen.

Die Lesetipps in den Gedankenspielen vom 16. August 2013

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Die Lesetipps-Gedankenspiele vom 08. Januar

Welche Beiträge sind mir in der ersten Woche dieses neuen Jahres besonders aufgefallen? Einige – und ein paar davon empfehle ich hier gleich weiter.

Zeitungen müssen grundlegend umdenken
Peter Littger macht sich in einem langen, provokanten Beitrag Gedanken über die Zukunft der Zeitungen. Dabei fragt er auch nach deren hilflosen Pochen auf das Prinzip der Grundversorgung. Sein Vorschlag: „Alle überregionalen Titel sollten das Jahr 2013 nutzen, um sich zu fokussieren und die Frage zu beantworten, die schon 2003 gestellt wurde: Was von all dem kann weiterhin finanziert werden?“ Dazu macht er fünf Reformvorschläge: Ausdifferenzierung, Erscheinungsweise, Sponsoring, Kommerzialisierung, offene Information.

Datenjournalismus hat Fuß gefasst
Lorenz Matzat schildert in vier Aspekten die positive Entwicklung des Datenjournalismus in Deutschland im vergangenen Jahr: Die Frage nach dem „Wie“ statt dem „Warum“ auch in Deutschland, die internationale Verbreitung, verstärkte Sichtbarkeit bei Großereignissen und den Trendbegriff Big Data sind seine Kernbeobachtungen. Dazu zwei Beispiele:

Stakeholder sind keine Zielgruppen
Der langjährige Konzeptioner Klaus Schmidbauer setzt sich in seinem Blog mit der Ansprache der Stakeholder auseinander. „Stakeholder sind Anspruchsgruppen, die sich von der Präsenz und den Handlungen der jeweiligen Organisation betroffen fühlen„, schreibt er. Dabei unterscheidet er diese klar vom Begriff der Zielgruppen.

Facebook-Aktienkurs wächst und andere Prognosen
Auch Thomas Knüwer hat sich wieder unter die vielen Leute mit den Prognosen für das Jahr 2013 begeben – in der Hoffnung genauer als im Vorjahr zu treffen. Und seine Thesen 4, 5, 8 und 9 unterstreiche ich sofort. Und bei der Frage, dass der Facebook-Aktienkurs sein Ausgangsniveau wieder erreichen wird, sollte ich nickend wohl mal mit meinem Banker sprechen.

EdgeRank muss verstanden werden
Digital Communication-Guru Brian Solis erklärt Facebooks EdgeRank. Denn: „It’s important to understand how EdgeRank works before passing judgment or sparking fruitless debates.“ Daher – so seine Kernaussage: „Engagement is the key to amplifying reach.“ Und dies stets eingebettet in eine klare Strategie: „Whether you’re leading a paid, earned, or owned strategy, making informed decisions about goals and proper metrics starts with knowing the real challenges and opportunities.

Social Networker auch in Deutschland
Christian Buggisch hat in seinem Blog die deutschen Nutzerzahlen zu den wichtigsten Social Network Plattformen zusammengefasst. Wer also auf der Suche nach aktuellen Zahlen zu Facebook, Google+, Twitter, StudiVZ, Xing, LinkedIn, Instagram und Pinterest ist, dem sind seine Analysen und Prognosen durchaus zu empfehlen. Ach ja: Alternativ gibt es auch ähnlichen Zahlen beim fleißigen Team von Social Media Statistiken.

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