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Wenn das Social Web plötzlich privat wird

In den letzten Monaten sind immer wieder zwei Entwicklungen zu beobachten, die aufeinander prallen und doch die zwei Hälften eines neuen großen Ganzen ergeben: Die verstärkte passive Nutzung der Sozialen Medien und das immer mächtigere Aufkommen der Messenger-Kommunikation.

Nicht nur in Deutschland sondern auch weltweit werden Soziale Netzwerke wie Facebook & Co. verstärkt passiv genutzt. Immer mehr Nutzer fokussieren sich ausschließlich auf das Beobachten, das Lesen, das Verfolgen, maximal das Kommentieren. Dies zeigt sich nicht nur in mehreren nationalen wie internationalen Studien wie beispielsweise dem Social Media-Atlas von Faktenkontor (siehe Abb.). Die anfangs schleichende und heute immer deutlich sichtbarere Veränderung im Verhalten spiegelt sich auch in allen meinen Coachings und Seminaren in den vergangenen 12 Monaten wieder. Und die meisten hier werden dies ebenfalls an ihrem eigenen Verhalten oder dem ihrer Familienangehörigen, Freunde, Partner, Kollegen beobachten können.

Infografik: Passiv im sozialen Netz | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Dazu kommt: Je jünger die Menschen sind, desto radikaler und eindeutiger ist der Schwenk zu erkennen. Viele von ihnen haben beispielsweise Facebook nicht verlassen, wie immer wieder gerne geschrieben wird; sie haben sich vielmehr in die Passivität zurückgezogen. Ganz vereinfacht gesagt heißt es für sie und für immer mehr Menschen: Posten und erzählen ist „out“, lesen und angucken bleibt „in“. Solch eine Aussage gilt jedoch nur für den öffentlichen Raum.

Das Begehren nach privater Kommunikation
Denn auf der anderen Seite sind die Messenger-Dienste weiter massiv am wachsen. Ihre Erfolgsreise nach oben scheint kein Ende und keine Grenzen zu finden. Hunderte Millionen bis Milliarden Nutzer haben WhatsApp, Facebook Messenger, WeChat, Line, Wire, Threema, Telegram oder auch Snapchat installiert, um die Chat-Kanäle vor allem für ihre private Kommunikation zu nutzen. Tendenz weiter wachsend.

„Die Zeiten sind demnach vorbei, in denen User in den Social Media alles von sich preisgeben. Ungeniert ihre Bilder, Anekdoten und Geschichten posten oder sich öffentlich mit anderen Nutzern konstruktiv austauschen. Interessiert doch sowieso keine Sau“, schreibt Stefan Schütz auf Zielbar. Plötzlich steht das Begehren nach einer deutlich privateren, persönlicheren, individuelleren, ja intimerer Kommunikation im Vordergrund. Und genau dafür bieten die vielfältigen Messenger das perfekte Werkzeug. Gut lässt sich damit der Run auf WhatsApp & Co. erklären, warum allein die Facebook-Tochter mit rund 40 Millionen Nutzer in Deutschland eine derart hohe Beliebtheit genießt, warum selbst Datenschutzbedenken bei der täglichen Nutzung kaum eine Rolle spielen und warum sich die Messenger gleichzeitig per Update den Nutzerwünschen ständig neu anzupassen und gerecht zu werden versuchen. Schließlich schläft die Konkurrenz auf dem immer härteren Markt nicht.

Von der Many-to-Many zu One-to-One
Beide nur scheinbar gegensätzliche Entwicklungen lassen sich unter einen gemeinsamen Nenner stellen: Die Menschen verlagern ihre Kommunikation aus der Öffentlichkeit ins Private. Oder wie es in der Kommunikationssprache heißt: Von einer Many-to-Many- zu einer One-to-One-Kommunikation oder maximal einer One-to-Many-Kommunikation. Um diese drei Kommunikationswege kurz zu klären: „One-to-One “ beschreibt den Informationsaustausch zweier Individuen wie beim E-Mail-Verkehr oder bei einem Messenger, wie in Gesprächen, in einer Beratung oder beim Kundenservice. „One-to-Many“ bezeichnet die Kommunikation von einer Person mit mehreren wie beim E-Mail-Newsletter oder bei den Broadcast-Listen von WhatsApp. Die komplexeste Form ist die „Many-to-Many-Kommunikation“, bei der gerade in Netzwerken viele mit vielen kommunizieren.

Über viele Jahre hinweg war eigentlich „Many-to-Many“ der Inbegriff insbesondere für das Social Web. Gerade in den Sozialen Netzwerken tauschten sich viele mit vielen anderen zu Themen oder beteiligten sich an Diskussionen. Die Menschen hatten festgestellt, wie es Professor Peter Kruse ist seinem legendären Kurzvortrag vor der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages sagte, dass es auch spannend sei, sich im Netzwerk darzustellen und Spuren zu hinterlassen. Und dies öffentlich. Doch was passiert nun?

Snaps sind die privaten Chats
Die Menschen beginnen gerade, ihre Kommunikationsaktivitäten immer stärker von der öffentlichen Kommunikation – was insbesondere den Branchenriesen Facebook betrifft – in geschlossene, private Bereiche zu verschieben, wo sie sich mit einzelnen Freunden individuell oder maximal innerhalb von Gruppen mit ausgewählten Mitgliedern und damit Gleichgesinnten austauschen. Plötzlich dominiert damit die persönliche Kommunikation, das „One-to-One“ im Social Web – abgesehen von den weiterhin beliebten Gruppen. Kehren wir damit – zumindest ein bisschen – zu den Anfängen der Kommunikation zurück? Und wie müssen die Organisationen darauf reagieren?

Auf der einen Seite hat dies Facebook selbst erkannt und will den Beiträgen der eigenen Freunde wieder eine größere Sichtbarkeit geben – zu Lasten der Unternehmen. Doch wird dies Nutzer dazu bewegen, sich mit ihren Inhalten wieder verstärkt der Öffentlichkeit zuzuwenden? Ich habe meine Zweifel.

Auf der anderen Seite setzen sich immer mehr Unternehmen, Institutionen, Medien mit WhatsApp-Services und Messenger-Chatbots auseinander, um über den Weg die Nutzer in ihrer neuen privaten Umgebung zu erreichen. Doch Vorsicht: Bis auf die Teilnehmer der Social Media Bubble nutzt die allergrößte Mehrheit die Messenger rein im privaten Umfeld. Beispiel Snapchat: Wer mit jüngeren Nutzern spricht, dem fällt eines auf: Die Snapchat Stories oder der Discover Bereich spielen für sie kaum eine Rolle. Stattdessen versenden sie hunderte, manchmal sogar tausende Snaps pro Tag an ihre Freunde – also wieder pures One-to-One. Für sie sind die kurzen Bilder die Stories in ihrem ganz privaten Chat. Nur was passiert, wenn sich jetzt immer mehr Unternehmen dazwischen schalten wollen?

Ressourcen, Ressourcen, Ressourcen
Ich habe den Eindruck, dass sich Organisation künftig darauf konzentrieren müssen, die Bedürfnisse ihrer Nutzer noch stärker kennen zu lernen – Stichwort lebenslange Stakeholder-Analyse. Sie müssen akzeptieren, dass die Nutzer sie bei ihren Gesprächen nicht dabei haben wollen. Wenn sie sich dennoch einmischen und ungeschickt dazwischen drängen, ziehen sich die Nutzer zurück – zu einem anderen der täglich neu entstehenden Kommunikationskanäle. Parallel müssen sie viel genauer und schneller als bisher erkennen, an welchen Stellen sie auf deren individuelle Bedürfnisse, auf deren dringende Fragen, auf deren relevante Wünsche mit wirklichem Mehrwert reagieren können.

Dies stellt sie wiederum vor zwei eng verbundene Herausforderungen: Um Fragen und Bedürfnisse erkennen und beantworten zu können, werden sie sich immer mehr von größeren Zielgruppen verabschieden müssen, sondern sich stattdessen auf kleinste Micro-Zielgruppen bis hin zum individuellen Dialog fokussieren. Ob sie diese dann per Service-Bot, per Messenger-Chat, per WhatsApp-Broadcast-Liste, per Siri oder per traditionellem E-Mailing bedienen, spielt eine weitaus geringere Bedeutung.

Viel wichtiger ist bei der Entwicklung die zweite Herausforderung: Unternehmen und Institutionen werden massiv an Ressourcen zulegen müssen, um individuelle Bedürfnisse zu erkennen, zu analysieren und diese dann auch im Dialog und dazu kontinuierlich befriedigen zu können. Ansonsten werden sie nicht mehr wahrgenommen – ob als One-to-One-, als One-to-Many- oder als Many-to-Many-Partner.

 

***** VORMERKEN: Neues Strategie-Buch *****
Dominik Ruisinger: Die digitale Kommunikationsstrategie. Praxis-Leitfaden für Unternehmen; mit Case-Studies und Experten-Beiträgen; für eine Kommunikation in digitalen Zeiten. ab 11/2016, Schäffer-Poeschel Verlag, hier vorbestellen.

Literatur: „Erfolgreiche PR im Social Web“ im Test

Das folgende Buch liegt schon länger auf meinem Lesestapel. Der Verlag hatte mich im Herbst vergangenen Jahres gefragt, ob ich daran interessiert wäre, über „Erfolgreiche PR im Social Web“ eine Rezension zu schreiben – und mir das Buch zugesendet. Einerseits hatte mich der Inhalt natürlich interessiert, andererseits gingen andere Projekte und Bücher vor. In den letzten Wochen habe ich auf jeden Fall das Buch endlich durchgelesen – Kapitel für Kapitel.

Public Relations im Social Web Fachbuch

Buchcover Erfolgreiche PR im Social Web

Starker Praxisbezug
Schließlich bieten die 500 Seiten von Rebecca Belvederesi-Kochs allerlei Stoff. „Das praktische Handbuch“ heißt es in der Unterzeile. Und richtig: Auf die Praxis legt das gut zu lesende Buch seinen Schwerpunkt. Und zwar auf zahlreiche Beispiele aus der heutigen Praxis. Ob zu Unternehmen, Verbänden, NGO oder zu sozialen Organisationen, ob für das Kulturmarketing, Event-Marketing oder das Employer Branding, die Autorin hat aus allen Branchen passende und gut bebilderte Beispiele zusammengestellt und aufbereitet. Dies ist der große Pluspunkt dieses Buches.

Kaum ein Thema für Public Relations im Social Web fehlt: Imagearbeit, Community-Aufbau und -Pflege, Crowdfunding werden anhand von Beispielen beschrieben. Dünn fällt nur das Thema Monitoring, Evaluation, Return on Investment aus, das auf gerade mal 7 Seiten abgehandelt wird. Gerade bei Büchern, die den Begriff „Erfolgreich“ werben, sollte diesem Thema breitere Aufmerksamkeit geschenkt werden, um Erfolge überhaupt messen und einschätzen zu können. Hervorragend die vielen, kompakten rechtlichen Einschübe von Jens Ferner, auch wenn ich mir manchmal den Verweis auf das jeweilige Urteil, den betroffenen Paragrafen, den Link zum weiterführenden Text als Grundlage gewünscht hätte.

Social Media verliebt
An vielen Stellen ist mir das Buch zu Social Media verliebt. Das betrifft Aussagen wie: „Wie Sie wissen, entfalten Blogs Meinungsmacht.“ Nein, so generell sicherlich nicht. Es kann sein, dass ein Blog zu einem wirklichen Sprachrohr ausgebaut wird oder ein Blog-Beitrag wirklich viral geht. Aber in der weiten Mehrzahl wird dies nicht der Fall sein. Auch Blogger Relations sind – zumindest Stand heute – sicherlich nicht „unabdingbar“, sondern eine Frage der Zielgruppe. Und der Tipp: „Blogger gehören in Ihren Presseverteiler“ sollte deutlich differenzierter formuliert werden. Denn dass Blogger anders als klassische Journalisten behandelt werden sollten, lässt sich u.a. in den Ergebnissen der hervorragenden Blogparade „Blogger Relations“ von Mike Schnoor Ende vergangenen Jahres nachlesen.

Noch ein Beispiel: In Kapitel 2 geht die Autorin unter anderen auf den Social Media Newsrooms ein. Wenn ich auf die Chancen eingehe, sollte ich die Risiken nicht unerwähnt lassen. Leider finden sich im Text weder Hinweise auf die Gefahren wie der globalen Sichtbarkeit auch inaktiver Newsroom-Bereiche und die geringe Bekanntheit gerade unter Journalisten, noch konkrete Tipps zur Umsetzung wie zum Beispiel das WordPress Plugin für Newsrooms oder RebelMouse und Flavors als mögliche Tools. Und was ist mit dem Thema Zeit- und Personalaufwand, das viele gerade klein und mittelständische Unternehmen mit einem verstärkten Engagement im Social Web verbinden? Hier hätte ich mir einen deutlich kritischeren Umgang mit den natürlich vorhandenen Chancen im Social Web gewünscht.

An anderen Stellen entdecke ich diesen kritischen Blick: Beispiel PR-Portale. Während oftmals OpenPR und Co. als Kernbestandteil erfolgreicher Online-PR bezeichnet werden, beurteilt die Autorin diese kritischer – und rät beispielsweise von massenhafter Verwendung der gleichen Pressemitteilung über viele Portale ab. Ihrer Aussage: Es empfiehlt sich weiterhin, „mit dem eigenen Presseverteiler zu arbeiten und PR-Portale als das zu betrachten, was sie sind: flankierende Medien“ ist daher grundsätzlich zuzustimmen.

Wenig konkrete Tipps und Tools
Das andere Manko für mich: Das Buch geht mir nicht tief genug und bleibt zu unkonkret, was angesichts der Themenvielfalt fast verständlich ist. Warum werden Blogger Relations beschrieben und keinerlei Tools und Tipps angegeben, wie man gute Blogs finden kann? Was heißt „angemessene Posting-Frequenz“, würden mich beispielsweise Teilnehmer meiner Seminare fragen? Und wie finde ich diese Blogger und Influencer? Wenn darauf hingewiesen wird, dass Unternehmen in Stoßzeiten twittern, wenn also viele Follower online sind: Warum folgt dann nicht der konkrete Hinweis, wie man dies herausfinden oder beispielsweise à la Buffer steuern könnte? Hier bleibt das Buch sehr an der Oberfläche. Oder: Schon früh geht sie in Kapitel 2 auf die Strategie ein – mit Fokus auf Inhalten, Media-Mix und Projektplan. Tipps zur Analyse, zu Zielen und Zielgruppen und zur Positionierung fehlen – vielleicht aus Gründen des Buchumfangs. Zumindest ein Hinweis auf die alt bekannte und weit verbreitete POST-Strategie (People, Objectives, Strategy, Technology) von Forrester Research wäre hilfreich gewesen.

Von einem Praxishandbuch erwarte ich mir konkretes Rüstzeug, Hinweise auf hilfreiche Tools, technische Lösungen oder weiterführende Artikel. Aus diesem Werkzeugkasten hat das Buch wenig zu bieten. Ohne Umsetzungstipps, die passenden Links und Literaturhinweise bleibt es an der Oberfläche. Und wenn sich diese Hinweise nicht ins Buch integrieren lassen, könnte man eine Literaturliste oder ein Linkverzeichnis hinzufügen. Nur beides existiert überhaupt nicht – was mich doch negativ überrascht. Gibt es denn keine andere Literatur zum Thema, keine zu empfehlenden Blogs? Wo kann sich der Leser weiter informieren? Das ist schade gerade für diejenigen, die auf Basis des Buches tiefer ins Thema einsteigen wollen. Und bedeutet das Social Web nicht insbesondere „Social Sharing“? Aber vielleicht stelle ich hier schon Expertenfragen, die das Buch gar nicht beantworten will.

One more thing
Lieber Verlag, mit dem Titel habe ich wirklich mein Problem. Einerseits gefällt es mir nicht, mit dem Zusatz „Erfolgreich“ auf der Wolke des erfolgreichen Branchenwerkes der geschätzten Marie-Christine Schindler und Tapio Liller zu surfen. Und warum „erfolgreich“? Gibt es ein Buch zu erfolgloser PR? Das wäre so, als wenn ein anderer Verlag meine Bücher mit „Neue Online Relations“ oder „Überaus gelungene Public Relations“ ergänzen würde. Insbesondere bei einem Buch, das sich um PR dreht, ist so ein werblicher Begriff wenig angemessen.

Zusammenfassend hat Rebecca Belvederesi-Kochs mit „Erfolgreiche PR im Social Web“ einen guten Praxis-Leitfaden vorgelegt, ein Best of Campaigns und Beispielen aus der Unternehmens- und Institutions-Welt, ein leicht lesbares und gut bebildertes Social Media Lesebuch. Wer gute Beispiele sucht, von denen er sich inspirieren lassen und an denen er sich orientieren will, wird auf eine wirkliche Fundgrube stoßen. Wer dagegen konkrete Tipps, Tools und Links sucht, um diese Ideen auch umzusetzen, sollte zu einem anderen Buch greifen oder seinen RSS-Feeder mit den passenden Blogs füllen.

Guter und schneller Kundenservice im Social Web gefordert

Die Bedeutung des Kundenservice im Social Web nimmt zu. Und die Erwartungen der Nutzer sind hoch, wie auch diese Grafik von KISSmetrics betont. So machen die Ergebnisse deutlich, welche – positive wie negative – Auswirkungen auf das Unternehmen passende oder unpassende bis nicht vorhandene Reaktionen auf Tweets und Posts haben.

User sind durchaus gewillt zu loben – bei schnellen, guten Reaktionen auf ihre Fragen – wie ebenso scharf zu kritisieren. Beispielsweise postet jeder Vierte einen negativen Kommentar, wenn er schlechte Erfahrungen mit dem Kundendienst gemacht hat. Und ja, auch ich gehöre dazu – wie zum Beispiel hier oder hier. Gleichzeitig äußern sich auch 22 Prozent positiv über eine Marke, wenn sie eine Reaktion auf ihre Beschwerde erhalten haben. Vor diesem Hintergrund lässt sich davon ausgehen, dass das Thema Kundendienst im Social Web eines der Top-Themen der nächsten Jahre sein wird, wobei sich nur wirklich überzeugender Kundendienst positiv auf die Markenwahrnehmung niederschlagen wird.

Why do Companies with Great Customer Service Succeed?
Source: Why do Companies with Great Customer Service Succeed?

Muntermacher in der digitalen Welt: Unsere neue Kaffee- und Teestudie

Vor zwei Wochen haben wir die 1. Branchenstudie „Kaffee oder Tee: Muntermacher im digitalen Vergleich“ vorgestellt – beim Kommunikationskongress und bei der Social Media Week in Berlin. Wir, das ist unsere Tee-Expertin Nadja Amireh von WakeUp Communications, Landau Media und ich als Strategieberater, Coach und vor allem in meiner „Funktion“ als Coffee Junkie.

Bereits Nadja hat in ihrem Blog Post die kleine Geschichte der Studienentstehung und einige Ergebnisse beschrieben. Ich will mir sieben ergänzende Themen aus der Studie herauspicken, über die in der Zwischenzeit u.a. auch Lead Digital, der PR Report und das Markenartikel Magazin berichtet haben und die hier bestellt werden kann.

Trial & Error statt Strategie
Grundsätzlich ging es in der Studie darum, 81 deutschsprachige bzw. internationale Kaffee- und Teemarken mit deutschsprachiger Präsenz nach ihrer Präsenz, ihrer Professionalität und ihrer Art des Themensettings im Web und im Social Web zu analysieren – und dies durch die Analyse der Corporate Websites, der Social Media Kanäle und des Social Media Contents. Deutlich wurde, dass noch nicht viele Marken der Branche im Internet und speziell im Web angekommen sind. Viele befinden sich eher in einer Trial & Error“-Phase, die mehr dem erstmaligen Austesten denn der Strategie gewidmet ist. Dies zeigt sich wie folgt:

Studie Kaffee Tee Muntermacher im digitalen Vergleich

Professionalität beim Website- und Social Media Engagement von Kaffee- und Teemarken

      1. Professionalität hat etwas mit der Größe der Marke zu tun: In der Studie gab es – leider – keine kleinere Marke, die mit ihren Aktivitäten im Internet sowie im Social Web überzeugen konnte. Dies empfanden wir als extrem schade angesichts durchaus vorhandener Möglichkeiten.
      2. Corporate Websites bieten selten gute Ausgangsbasen: Es hat uns überrascht, wie wenig die Marken ihre eigene Website für die Vermittlung von Daten, Fakten und Kontakten sowie für Hinweise auf ihre Dialogoptionen nutzen. Schließlich sind sie die Basis auch für das Engagement im Social Web.
      3. Strategie heißt eher „Trial & Error“: Auch wenn in Studien kommuniziert wird, dass Marken verstärkt strategisch an ihre Social Media Aktivitäten herangehen, so gilt dies für die Kaffee- und Teebranche nur bei ganz wenigen Ausnahmen. Ohne diese wird sich aber ein Engagement im Social Web als teure Ressourcen-Verschwendung erweisen.
      4. Nach Facebook kommt lange nichts: Kaffee und Tee bieten eigentlich viel Raum für emotionale Themen sowie für visuelle Geschichten. Doch während Facebook als Kanal von rund drei Viertel aller Marken zumindest genutzt wird, liegen die übrigen Kanäle wie Twitter, Google+, Pinterest oder Instagram fast komplett brach.
      5. Qualitative Analysen kommen zu kurz: Nur so lässt sich erklären, dass 50 Prozent der Marken zwar ausführlich auf ihre CSR-Aktivitäten als USP hinweisen, dieses Thema aber laut Landau Medias Content-Analyse bei den Nutzer-Dialogen im Social Web kaum eine Rolle spielen. Wie heißt es so schön: Erst die Analyse, dann die Strategie und dann die Taktik.
      6. Kaffee ein Massengut, Tee ein Liebhaberprodukt: Kaffee und Tee sind im Social Web unterschiedlich konnotiert. Während die Diskussionen bei Kaffee vom Austausch über Preise und Zubereitungsmethoden geprägt sind, stehen beim Tee Sorte, Geschmack und Genuss im Mittelpunkt.
      7. Deutschland hängt im Social Web hinterher: Während viele – auch deutschsprachige – Marken internationale Accounts bzw. länderspezifische Twitter-, Pinterest- oder Instagram-Accounts in asiatischen, südamerikanischen oder arabischen Ländern aufgebaut haben, verzichten sie auf nationale Accounts. Darin scheint sich widerzuspiegeln, dass abgesehen von Facebook noch kein Social Media Kanal im hiesigen Breitenpublikum wirklich angekommen ist.

Studie lässt sich bestellen
Ich hoffe, dass diese Ergebnisse die Lust auf unsere 71 Seiten starke Studie weiter erhöht haben. Diese lässt sich für 99 Euro direkt über die Studien-Webseite bestellen. Dort sind auch das Inhaltsverzeichnis, die Einleitung, das Studiendesign sowie zwei Infografiken kostenlos einsehbar. Und wenn sich daraus Fragen ergeben, einfach melden. Wir leben ja schließlich den Dialog – ob mit einem kleinen Schwarzen oder einem großen Braunen in der Hand ;-).

Infografik: Zahlen zum Social Web im Jahre 2012 samt Fragezeichen

Über creotivo bin ich auf diese Infografik gestoßen, die das Social Media Geschehen des jetzt vergangenen Jahres 2012 nochmals gut zusammenfasst. Der Fokus der Zahlen zum Social Networking liegt dabei – nicht gerade überraschend – auf Facebook, Twitter, Google+, LinkedIn, Pinterest und YouTube. Gleichzeitig sind die hier zusammengefügten Zahlen doch mit etwas Vorsicht zu genießen. Dazu vier Anmerkungen:

  • Auf YouTube werden nicht 48 sondern bereits 72 Stunden Videomaterial pro Minute hochgeladen – oder sogar bereits noch mehr. Auch die Zahlen zu Facebook sind seitdem weiter gestiegen.
  • Die Aussage, dass Nutzer nur 3 Minuten pro Monat auf Google+, aber dafür 6,75 Stunden auf Facebook verbringen, ist veraltet und so nicht haltbar.
  • Dass Twitterer zu 60 Prozent weiblich sind, hat mich dann doch etwas überrascht. Aber wahrscheinlich haben die einfach mehr zu erzählen.
  • Die Zahl, dass 19 Prozent aller weiblichen Internet-Nutzer auf Pinterest sind, ist völlig unwahrscheinlich. Oder sie bezieht sich rein auf den amerikanischen Markt. Denn die sollen ja Pinterest-„verrückt“ sein.
Social Media Stats 2012

Statistiken zum Social Web Geschehen im Jahre 2012

Gedankenspiele zu Online Relations vom 24. August

Bevor ich nachher gen Family-Besuch aufbreche, habe ich hier noch ein paar Lesetipps zusammengefasst.

Ohne Strategie – kein ROI
In einem Gastbeitrag bei Brian Solis beschreibt Danna Vetter genau die 5xWs + 1xHow, die eine erfolgreiche Strategie ausmachen. Denn ihre Aussage ist unmissverständlich: „Without a Stratege, there is no ROI.“ Right!

Mehr OnPage für SEO
OnPage in die Fresse! nennt Marcel Becker seine Überdosis OnPage SEO. Und das ist nicht negativ gemeint, ganz im Gegenteil: Vielmehr behandelt sein richtig langer Beitrag so ziemlich alle SEO-Faktoren, die bei der Suchmaschinenoptimierung relevant sind. Klasse: Das Wichtigste gibt es zum Schluss als PDF-Doku-Download. Übrigens: Schon mal daran gedacht, dass SEO auch bei PDF-Dokumenten eine Rolle spielen? Wie ist hier nachzulesen

US-Unternehmen im Social Web
Wie weit wir in Fragen Social Media noch von den USA entfernt sind, zeigt Sten Franke auf. Während in den USA ca. 90% aller Unternehmen Soziale Netzwerke nutzen, stimmten bei einer kürzlichen Befragung nur 53 Prozent der Aussage zu, dass „der Dialog mit den Nutzern bei Facebook ein zentraler Bestanteil der Kommunikation“ ist.

Social Employer Branding bei Adidas
Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas gilt als eine der Top-Adressen auch im Social Web. Tobias Kärcher hat dazu zwei Communication und Employer Branding Manager interviewt – auch dazu, wie Adidas die Kanäle für Human Ressources nutzt.

Airlines Best Cases bei Facebook
Was verhalten sich Airlines bei Facebook? Aldo Gnocchi hat ausführlich die Facebook-Aktivitäten von fünf internationalen Fluglinien untersucht – und daraus Best Cases gebastelt. Und gerade bei KLM und Lufthansa lässt sich doch einiges lernen.

Anleitung Google+ für Unternehmen
Auf heise.de hat Annette Schwindt eine richtig gute Anleitung publiziert, wie sich Unternehmen eine Google+-Seite einrichten können. Schritt für Schritt begleitet sie durch den Prozess. Lesenswert, nicht nur für G+-Neulinge.

Tipps für Google Hangouts on Air
Die karrierebibel hat ausführlich beschrieben, wie sich die Google Hangouts on Air – also die Übertragung von Hangouts live im Internet über den eigenen YouTube-Channel – erfolgreich nutzen lassen. Denn Einsatzmöglichkeiten und Potenzial hat das neue Google+-Erfrischungstool genügend.

Freitägliche Gedankenspiele rund um Online Relations vom 09.03.2012

Es ist wieder Freitag – und hier sind einige Beiträge und Tool-Tipps, die mir in der letzten Woche aufgefallen sind und die ich als lesens- und diskussionswert erachte.

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Zeitungssterben bis 2034
Dass sich die klassische Medienarbeit ändert, belegt auch eine Trendberechnung von Prof. Dr. Klaus Meier: Danach erscheint im Jahr 2034 die letzte gedruckte Tageszeitung. Die Entwicklung bei Wochen- und Monatsmagazinen wurde nicht berechnet.

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PR und das Social Web
Sollen PR-Leute von Social Media die Finger lassen bzw. nicht zuständig sein? Nein, sagt Helge Weinberg in einem Beitrag für das PR-Journal und beschreibt den professionellen Umgang mit Social Media als Dialog-Kommunikationsinstrument.

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Mobiles E-Mail-Marketing
Wie lassen sich E-Mails für die Nutzung auf Mobilgeräten optimieren? Sollte man sich besser auf pure Text-Mails konzentrieren? Im E-Mail-Marketing Forum bin ich dazu auf diesen Beitrag bestoßen, der Vor- und Nachteile beider Ansätze aufzeigt.

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Erfolgkriterien im Social Web
Bei Beratungen oder in Seminaren werde ich öfters nach Erfolgsfaktoren für eine Präsenz im Social Web gefragt. Auch wenn Begriffe an sich immer etwas Oberflächliches haben, so haben sich für mich die folgenden 12 Erfolgskriterien herausgebildet. Was fehlt noch?

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Content-Strategie bei Coca Cola
Mit „We will move from Creative Excellence to Content Excellence“ beschreibt Coca Cola seine Content-Strategie 2020. In zwei hervorragenden Videos heißt es: Unternehmen müssten an jedem Berührungspunkt mit Zielgruppen eine emotionale Geschichte erzählen – also Storytelling als Zukunft, wie es bei wollmilchsau richtig heißt.

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Facebook und die Chronik
Zahlreiche Beiträge haben sich in den vergangenen Tagen mit der neuen Chronik und den Folgen für Unternehmen beschäftigt – wie die karrierebibel, der PR-Blogger oder t3n. Ed Wohlfahrt widmet sich sehr spannend speziell der Timeline aus PR-Sicht.

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Messung von Pinterest-Aktivitäten
Wer seine eigenen Pinterest-Aktivitäten messen und dies mit anderen teilen will, kann dazu PinClout oder Pinpuff nutzen, wobei PinClout mehr Gewicht auf Follower, Pinpuff mehr auf Viralität setzen soll. Weitere Tools werden sicherlich in den kommenden Wochen sprießen.

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Mash-Up von Pinterest und Instagram
Es war nur eine Frage der Zeit – und Gennaro Variole hat es umgesetzt: Mit Pingram lassen sich jetzt sehr einfach Fotos aus der wunderbaren Instagram-App mit dem aufstrebenden Foto-Netzwerk Pinterest teilen. Meine Mischungen finden sich hier.

Peter Frey über veränderten Journalismus

„Der Rechtfertigungsdruck aus dem Social Web gegenüber Journalisten nimmt deutlich zu.“

Peter Frey (ZDF) im Presseclub Wiesbaden

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