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Website-Analyse: Der Deutsche Alpenverein nach dem Relaunch

Die Webseite des Deutschen Alpenvereins (DAV) zählt zu den Seiten, die ich seit Jahren im Unterricht oder bei Beratungen gerne zeige. Schließlich lässt sich anhand des aufwändigen und umfangreichen Service-Bereiches gut aufzeigen, welche Möglichkeiten sich Unternehmen per Webseite bieten. Zudem kann solch ein Online-Service durchaus dazu beitragen, beispielsweise die eigenen Kosten bei Hotlines deutlich zu reduzieren – auch eine Form der Refinanzierung.

Kürzlich wurde die Seite des Alpenvereins (DAV) gründlich relauncht, wie mir das geschätzte Designtagebuch hier angezeigt hatte. Zeit für einen Blick drauf.

Der visuelle Eindruck
Es ist offensichtlich: Der Deutsche Alpenverein will nach außen ein modernes, lebhaftes Bild abgeben. Im Vergleich zum eher nüchternen Auftritt ist die neue Webseite „magaziniger“ geworden: Eine kompakte und in der Sichtführung deutlich reduzierte Navigation auf der linken Seite, starke Bilder im Zentrum, mit aussagekräftigen Fotos ergänzte News im Zentrum der Webseite, die sich zudem per RSS abonnieren lassen. Doch ganz rund wirkt die Seite nicht: Die Schriften und visuellen Elemente wie die erdrückende, massive Felswand im Hintergrund verhindern ein einheitliches Bild, wie das Designtagebuch zu recht schreibt: „Die verschiedenen Stile in Kombination mit den drei Schriften und den zu vielen Grüntönen wollen einfach nicht zu einer Einheit verschmelzen.“

Die Navigation
Über die linke Spalte kann sich jeder durch den Informationsbereich der Webseite klicken – und findet dabei Texte, Fotogalerien, Videos. Was schade ist: Der dargestellte Teaser-Text ist oftmals zu kurz gehalten, damit User die Inhalte begreifen können und aus Interesse dann den „weiter“-Link anklicken. Außerdem: Warum erhalten die Beiträge wie z.B. die Tour der Woche nicht auch in der Teaser-Version ein Datum? Dieses Problem wird sich durch die gesamte Webseite ziehen. Auch nicht schön: Wer auf die Themen klickt, erhält stets abwechselnd Erlebnisberichte, Informationen, News, Kalendereinträge etc.. Eine klare Struktur wäre hier hilfreich und besucherfreundlich.

Im rechten Kopfbereich findet sich neben „Werde Mitglied“ die bei mir so beliebten „DAV Services“. Ein Klick genügt und schon öffnet sich die Welt zu Bergwetter, Hüttensuche, Kletterhallen, Alpine Auskunft, Lawinenlage und noch viel mehr nützlichen Informationen, die jeder Alpen-Fan benötigen kann. Diese Services sind weiterhin absolut vorbildlich.

Die Medienansprache
Über den Link „Presse“ auf der ersten Ebene gelangt man in den Pressebereich. Und hier gehen die Probleme gleich los: Unter „Presse Aktuell“ werden die vier aktuellsten Pressemitteilungen angerissen – oder besser gesagt die vier Pressemitteilungen, die im Jahre 2012 gesetzt wurden. Doch warum haben diese auf der Übersichtsseite kein Datum, um sich einen schnelleren Überblick zu holen? Muss ich mich als Journalist wirklich weiterhin durch alle News klicken, um sie dann nach Aktualität beurteilen zu können? Und warum kann ich diese nicht per RSS abonnieren? Hier würde es sich anbieten.

Noch stärker betreffen diese Fragen das „Presse-Archiv“: Hier sind zwar hübsch alle Pressemitteilungen des Jahres 2011 aufgeführt – aber ohne Datum und ohne Teasertext. Muss ich mich so durch alle Pressemitteilungen durchklicken, um ihre Inhalte zu erfahren? Ach ja: Dass sich unter dem Navigationspunkt „Newsletteranmeldung“ die Aufnahme in den Presseverteiler versteckt, habe ich nur durch Zufall entdeckt. Kleiner Tipp: Sofort umbenennen.

Die Social Media Integration
Auch der Deutsche Alpenverein setzt sichtbar auf Social Media Kanäle. Neben ihrem eigenen Forum DAV Community wird auf die einzelnen Präsenzen auf Google+, Facebook und Twitter – amüsanterweise direkt unter dem Navigationspunkt „Jugend“ – hingewiesen. So positiv der Hinweis und die Einbindung, so negativ die Inhalte. Während der Facebook-Kanal noch recht regelmäßig bespielt wird, sieht es bei den anderen beworbenen Präsenzen trübe aus. Wenn ich schon auf meine Präsenz auf Google+ hinweise, dann sollte ich diese auch regelmäßig bespielen. Ein

Herzlich willkommen auf der offiziellen Google+-Seite des Deutschen Alpenvereins. In Kürze findet Ihr hier Tipps und Infos rund um den Bergsport

– als Aussage vom 10. November 2011 ist in der heutigen Zeit ein Zeichen von Unprofessionalität. Auch der Twitter-Kanal ist enttäuschend: Reine Verlautbarungen – kein wirkliches Themensetting, die Hashtags auf DAV und Alpenverein beschränkt, keine ReTweets, kein Dialog, nichts. Mein Tipp: Wer nicht die Zeit und das Personal für die Pflege all dieser Dialog-Präsenzen hat, sollte sich besser auf die machbaren Präsenzen beschränken und die übrigen weglassen. Ansonsten wird nur ein negatives, unprofessionelles Bild nach außen transportiert.

Ein Fazit
Der Deutsche Alpenverein hat mit dem Relaunch einen notwendigen Schritt gemacht, der grundsätzlich zu begrüßen ist. Die Seite hat an visueller Kraft gewonnen – auch wenn in Konzeption und Gestaltung noch vieles unvollendet wirkt. So wird schnell deutlich, dass noch kräftig am Feinschliff der Seite und den verbundenen Kanälen zu arbeiten ist, um wirklich das professionelle Bild nach außen zu vermitteln, das der DAV sicherlich auch selbst erwartet.

Der Website-Relaunch des WWF aus PR-Sicht

Viel Lob gab es in den vergangenen Wochen für den kürzlichen Relaunch der Webseite des WWF Deutschland. Die beauftragte Agentur Aperto hatte – wie u.a. hier beschrieben – das Ziel verfolgt, die Webseite zu einem noch stärkeren Hub für Kampagnen und Themen weiter zu entwickeln, damit sich Naturschutz-Themen besser setzen lassen, eine größere Aufmerksamkeit erreicht wird und auch die Spenden-Einnahmen erhöht werden. Das Ergebnis ist positiv: Die Struktur ist übersichtlicher, die Botschaften sind plakativer, die Ansprache ist deutlich ausdrucksvoller und emotionaler. Also eine emotionalisierende und motivierende Marken-Webseite.

Ich habe mir die Seite jetzt aus Medien- und Multiplikatorensicht angesehen und mit der früheren Seite verglichen. Und da komme ich dann doch zu einem ziemlich anderen Ergebnis. Doch spielen wir dies einfach mal anhand zweier relevanter Zielgruppen durch.

Fall 1: Der Medienvertreter
Als Journalist oder Blogger suche ich Hintergrundinformationen zum WWF bzw. zu einzelnen Kampagnen. Vielleicht wurde ich über eine Pressemitteilung drauf gestoßen und benötige jetzt Hintergrundinformationen, Zahlen, Bilder. Bislang stand mir in diesem Moment ein Pressebereich zur Verfügung, der mir neben aktuellen Meldungen beispielsweise den direkten Weg in den Bild- und Film-Bereich der Mediathek lieferte.

Und was liefert mir der Pressebereich nach dem Relaunch? Pressemitteilungen, der direkte Kontakt zu Medienansprechpartnern – das ist es schon. Nicht dass mich der frühere Pressebereich überzeugt hätte: Aber wurde beim Relaunch die Aufgabe „moderner Pressebereich“ vergessen? Wo sind die Zahlen, Daten, Fakten, die Case Studies etc. – für Journalisten und Multiplikatoren aufbereitet? Der direkte Zugang zu Bildern und Videos? Und warum kann ich die Pressemitteilungen nicht mehr abonnieren? Will der WWF nicht, dass ich mir selbstständig Informationen ziehe?

Fallbeispiel 2: Der WWF-Anhänger
Der Newsletter-Abonnierbereich des WWF vor dem RelaunchAls WWF-Fan will ich mich regelmäßig per Newsletter oder – noch besser – per RSS informieren lassen. Dies sollte auch ganz im Interesse der Organisation sein. Wie der Screenshot aus der Zeit vor dem Relaunch zeigt, hatte der WWF einen vorbildlichen Newsletter-Abonnier-Bereich, den ich auch als Positivbeispiel in vielen Vorlesungen vorgezeigt habe. Detailliert ließen sich – wie das Bild zeigt – einzelne Newsletter bestellen, die Inhalte auch im Vorfeld einsehen, das Format auswählen – und dann bestellen.

RSS Optionen beim WWF AuftrittNatürlich auch per RSS, wie der Screenshot zeigt, den ich über die immer wieder praktische Wayback-Maschine gezogen habe. Und jetzt? Vier Newsletter lassen sich weiterhin abonnieren. Aber nur per E-Mail, ohne RSS-Option, ohne individuelle Formatwahl, ohne Voransicht, den Namen als rechtlich nicht erlaubtes Pflichtfeld, ohne Hinweis auf das Double-Opt-In-Verfahren, ohne sichtbare Abbestelloption als Vertrauensanker. Warum dieser Wandel? Warum diese reduzierte Auswahl? An dieser Stelle bin ich dann doch enttäuscht.

Daher mein Fazit: Als Marken- und Spenden-Webseite hat www.wwf.de mit dem Relaunch sicherlich deutlich gewonnen, aus kommunikativer Sicht aber auch verloren. Gerade in den Punkten Pressebereich, Newsletter und RSS sehe ich doch deutlichen Nachholbedarf. Aus reiner PR-Sicht wird er für mich künftig kaum mehr als Vorbild bei Seminaren dienen können. Schade eigentlich. Oder kommt da noch etwas?

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