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Posterous

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Über das Ende von Clipboard und ein Misstrauen in StartUps

Vor ein paar Tagen erhielt ich die Nachricht, dass Clipboard seinen Dienst einstellt bzw. von salesforce.com übernommen wird. Nicht dass ich diesen Service in der Vergangenheit stark genutzt hätte. Auch derzeit benutze ich dieses Sammeln von Ausschnitten eher selten, und wenn ja, dann eher per Evernote oder keeeb. Trotzdem macht mich die Nachricht nachdenklich. Denn wieder einmal hat ein aufstrebendes und hochgelobtes StartUp nicht überlebt. Diese Tatsache ist schade – gerade aus Nutzersicht.

Blicken wir zurück: Picnik, Sparrow, Tweetdeck, Gowalla, Formspring (?), natürlich Posterous, geschweige von den deutschen Netzwerken: Allen erging dasselbe Schicksal. Und dies sind nur wenige Namen auf einer fast täglich länger werdenden Liste. Alle schossen mehr oder weniger hoch, wurden beschrieben und genutzt und geliebt und gelobt – und schlossen Monate oder ein paar Jährchen später mal laut mal fast geräuschlos wieder ihre Pforten. Dabei spielte es keine Rolle, ob das Geschäftsmodell nicht funktioniert hatte, die Macher sich auf neue Aufgaben stürzen wollten oder der Service von Google und Konsorten aufgekauft, das Team integriert und der Dienst später meist gelöscht wurde: In jedem Fall waren sie für ihre Macher und uns User verloren und nicht mehr nutzbar. Schluss, fertig, traurig.

Vertrauen wir noch kleineren Diensten?
Gerade dies führt mich zu einer ernsthaften Frage, die ich mir immer häufiger stelle: Wieviel Vertrauen kann man noch im kleinere Dienste und StartUp-Ideen haben? Wieviel Zeit sollte man selbst – außer man sucht reinen (kurzfristigen) Spass und Zeitvertrieb – investieren, um Bookmarks oder Ausschnitte zu sammeln, Twitterlisten und Bildergalerien aufzubauen oder Blogposts über neue, noch so einfach zu bedienende Systeme zu schrieben? Gilt nicht bei vielen irgendwann: Service zu Ende, Arbeit umsonst?

Angesichts eines knappen Zeitbudgets habe ich immer weniger Lust, meine Anstrengungen auf neue Pferde zu setzen, die super galoppieren. Denn heute wiehern sie noch glücklich. Nur was passiert mit mir als Reiter, wenn die Pferde erst lahmen, auf dem Pferdefriedhof landen oder gar sich einer anderen Herde anschließen, die weniger aus Pferden denn aus Eseln und Kamelen besteht?

Wie gesagt: Meine Lust des Testens hat abgenommen. Und mein Vertrauen in plötzlich aufkommende neue Heilsbringer auch. Irgendwie schade. Überlassen wir das Feld damit selbst ausschließlich den Großen Google, Facebook und Co.? Eigentlich will ich das ebenfalls überhaupt nicht. Also wie macht man es dann richtig? Hat jemand einen Tipp, wie er damit umgeht?

Das Ende von Posterous ist eine Niederlage für die Onlinewelt

Seit den letzten Tagen ist klar: Die Zeit von Posterous ist zum 30. April 2013 abgelaufen. Ziemlich genau ein Jahr nach der Übernahme der 2008 gegründeten Blogging-Plattform schließt Twitter also den Dienst wieder. Noch kann jeder – wie hier beschrieben – seine bisherigen Beiträge retten. Aber danach ist Schluss.

Kein überraschendes Ende
Schade, sage ich ganz offen. Posterous war sicherlich der einfachste und schnellste Weg zu bloggen, den man sich vorstellen konnte. Bloggen war plötzlich so einfach wie der Versand einer E-Mail. „Our mission was to make it easier to share photos and connect with your social networks„, schreibt Posterous zum Abschied. Genau das war der Vorteil und die Marktchance. Und doch kommt das Ende nicht überraschend: Bereits in meinem Beitrag vom 7. Januar hatte ich Posterous auf den Social Media Friedhof geworfen, da ich wie viele davon ausgegangen war, dass 2013 Schluss sein würde.

Der Grund: Seit Übernahme im März vergangenen Jahres war kaum mehr etwas von Posterous zu hören bzw. zu spüren. Den damaligen Spruch, dass für die Posterous Spaces „up and running without disruption“ gelte, musste man seitdem wörtlich nehmen: Eine Weiterentwicklung von Posterous fand nämlich nicht mehr statt. Außerdem hieß es damals in der Mitteilung zur Twitter-Übernahme bereits vielsagend: „We’ll give users ample notice if we make any changes to the service.“ Es war also schon damals nur eine Frage der Zeit, bis Twitter den Stecker ziehen würde. Dies ist nun also so weit.

Chance zur Blog-Aufklärung verspielt
Dieser Schluss ist für mich auch die Folge einer Niederlage für die Online-Welt. Warum Niederlage? Posterous war wie gesagt das einfachste Blogsystem, das es gab und gibt – und deutlich simpler zu bedienen als Blogger.com, WordPress oder Tumblr. Kinderleicht konnten gerade (noch) nicht online-affine Nutzer ein Blog aufbauen. Der Email sei dank. Nur hat es kaum jemand gemacht. Warum?

Wenn man bedenkt, dass laut Studien wie der ARD-ZDF-Onlinestudie die Zahl der regelmäßigen und gelegentlichen Blognutzer in Deutschland gerade einmal bei 9 Prozent liegt, wurde eine gewaltige Chance verspielt. Hätten nicht viel weitere Menschen auf das Thema Blogs und Bloggen aufmerksam gemacht werden können? Wäre dieses Blogging-System nicht eine geringe Eingangsschwelle gewesen, um vielen Online-Nutzer zum eigenen Bloggen zu verhelfen? Diese Chance wurde vergeben. Auch weil es uns allen nicht gelungen ist, Systemen wie Posterous eine größere Öffentlichkeit zu verschaffen. Schade.

Vertrauen in kleinere Unternehmen sinkt
Das Ende von Posterous zeigt noch etwas: Wenn große Unternehmen wie Twitter oder gerade Google Hoffnungsträger wie Posterous, die E-Mail-Anwendung Sparrow oder die Online-Bildbearbeitung Picnik aufkaufen, bedeutet dies nicht immer etwas Gutes für die Entwickler wie die Nutzer; im besten Fall werden die Anwendungen unsichtbar integriert, im schlechten Fall geschlossen.

Sollte man es künftig also überhaupt als User noch wagen, auf ein kleines Unternehmen und sein innovatives Produkt zu setzen, wenn die Platzhirsche dieses mehr oder weniger ausradieren und die ganze Arbeit „für die Katz“ ist? Auf jeden Fall macht diese Entwicklung wieder einmal sehr deutlich, wie wichtig es ist, seine Website oder sein selbst gehostetes Blog als Heimat zu begreifen und Social Media eher als Planeten zu erkennen, die hell aufglühen und dann auch wieder verglühen.

Und noch etwas frage ich mich: Warum hat Twitter vor nicht einmal einem Jahr diesen Service überhaupt übernommen, eine Frage, die ich mir bei der Übernahme von Picnik durch Google im letzten April ebenfalls gestellt hatte? Johannes Lenz schreibt: „inter­es­sant an dem Deal war ein­zig das team und des­sen know how„. Stimmt. So heißt es auch im Posterous-Blog: „On April 30th, we will turn off posterous.com and our mobile apps in order to focus 100% of our efforts on Twitter.“

Kritik von den Posterous-Gründern
Nur, wie lange unterstützen die Posterous-Schlüsselfiguren wirklich Twitter? Wenn ich mir andere Unternehmen ansehe, so ist die Fluchtquote des Führungspersonals raus aus dem großen neuen Unternehmen recht hoch. Es passt hier dazu, dass mit Garry Tan und Brett Gibson zwei der Posterous-Mitgründer mit Posthaven gleich die nächste Plattform gegründet haben. Ihre unverhohlene Kritik am Twitter-Umgang mit Posterous: „Posterous was acquired by Twitter in 2012, and while we were happy that it was a meaningful acquisition for the team and investors, we were bummed to see something get shuttered that we believed should last forever.“

Bei Posthaven wollen sie vieles anders machen. Das beginnt mit dem Geschäftsmodell: Wer eine Gebühr von 5 US-Dollar pro Monat bezahlt, darf ab sofort mitmachen. Dazu versprechen sie: „We’ll never be acquired. We’ll always keep your URLs online. We’ll always keep it the best place to post.“

Ein Versprechen, das im ersten Moment glücklich und Mut macht. Aber ist es haltbar? Was passiert beispielsweise in Fall einer Insolvenz bzw. des Unternehmensendes? Reicht solch ein Versprechen aus, um Nutzer zu überzeugen, jetzt zu Posthaven zu wechseln und dort monatlich 5 Dollar zu bezahlen? Wie viele werden da wohl mitmachen, solange es kostenlose Alternativen gibt? Ich habe bezüglich der Marktchancen meine Zweifel – auch wenn ich gerne an Produkte wie Posthaven glauben würde, die ihr eigenes Geschäftsmodell fahren und sich nicht von den Großen fressen und vernichten lassen. Und dies gerade im Sinn ihrer Nutzer.

Kehrwoche: 5 Tools neu auf meinem Social Media Friedhof

Der Beginn eines neuen Jahres ist immer der Moment des Saubermachens. Meine ganz persönlichen Kehrwoche hat mich auch durch meine Social Media Accounts geführt. Einige davon sind jetzt auf meinem Social Media Friedhof gelandet – oder auf dem Weg dorthin: Weil sie bei dem immer härteren Kampf der konkurrierenden Plattformen keinen Platz für sich gefunden haben. Sind meine Einschätzungen richtig?

Formspring: Die Idee fand ich am Anfang wirklich nett: Fragen zu stellen und Antworten zu erhalten. Doch nutzt dies wirklich jemand aktiv? Ich selbst habe ganz am Anfang hier etwas mit herumgespielt. Mehr aber nicht. Warum? Weil ich den Sinn in einem Facebook-Google+-Twitter-Zeitalter dafür immer weniger sehe.
Überlebenschance: Keine.

Dopplr: Wie sehen meine nächsten Reisepläne aus? Und wie und wo kann ich mich dabei mit anderen treffen? Auf diesem Prinzip besteht Dopplr. Und trotz der Integration von persönlichen Tipps und weiteren Empfehlungen: Wenn ich die Aktivitäten meiner Follower und Friends im Netz beobachte, beschleicht mich das Gefühl, dass kaum jemand noch diese Plattform nutzt. Gerade Foursquare scheint Dopplr den Rang abgelaufen zu haben.
Überlebenschance: Keine.

Deutsche Netzwerke: VZ-Netzwerke, Wer-kennt-wen, Lokalisten: Bereits ein kurzer Blick auf die Zahlen, die statista regelmäßig publiziert, macht deutlich: Außer Xing haben alle großen sozialen deutschen Netzwerke mit gravierenden Nutzerverlusten zu kämpfen. Wer benutzt sie von euch noch? Ich glaube niemand. Auch ich bin aus ihnen endgültig verschwunden.
Überlebenschance: Keine.

Posterous: So leid mir es tut: Posterous wird dieses Jahr kaum überleben, obwohl ich hoffentlich falsch liege. Seit der Übernahme durch Twitter ist dieser eigentlich ganz wunderbare Blogger-Dienst immer weniger aktiv. Ich habe das Gefühl, Posterous soll ohne großes Engagement langsam auslaufen. Dies merke ich selbst an meinem eigenen Posterous-Account, den ich immer weniger nutze. Schade.
Überlebenschance: Leider keine.

Social Bookmarking: Von Mister-Wong habe ich lange nichts mehr gehört. Ich habe zwar noch einen Account – aber wenn ich sehe, wie selten ich ihn bediene …. Vom Gefühl her ist das Social Bookmarking generell praktisch tot, da dies in andere Tools immer stärker integriert wird. Dies gilt dann sich auch für internationale Anbieter wie blogmarks.net. Und Delicious und Diigo, die ich derzeit noch nutze? Bin etwas unentschlossen, auch wenn ich beiden keine wirkliche Zukunft geben kann.
Überlebenschance: Sehr gering.

Und was meint ihr? Stimmt ihr den Einschätzungen zu? Fehlt etwas? Und welche Plattformen landen auf euren ganz persönlichen Social Media Friedhöfen?

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