//
archives

Journalismus

Diese Schlagwort ist 18 Beiträgen zugeordnet

Autorisierungspraxis in der Diskussion: Wo bleibt die hiesige Konsequenz?

Im September sorgte Margaret Sullivan im Public Editor’s Journal der New York Times auch in der bundesdeutschen Medienwelt für Aufsehen: „In New Policy, the Times forbids after-the-fact ‚Quote Approval‘.“ Das Blatt würde also künftig keine Interviews mehr publizieren, bei denen Interviewte auf nachträgliches Autorisieren bestehen. Ausnahmen müssten mit der Chefredaktion abgesprochen werden. Schließlich würden die Leser unverfälschte Interviews erwarten können.

Gerade bei uns ist das Autorisieren zu einer Art Pflicht geworden, der sich die meisten Medien trotz Murren ergeben. Schließlich will man hochwertige Interviewpartner auch künftig als Autoren halten. Und wenn es alle anderen so machen … Gleichzeitig hat sich das Autorisierungsangebot zur Umschreibepraxis fehlentwickelt. War es in den Anfängen darum gegangen, gerade Zitate, Namen und Fakten nochmals auf inhaltliche Fehler zu überprüfen – also klassisches Fact-Checking –, missbrauchen gerade Politiker, Wirtschaftslenker, Prominente und deren (PR-)Berater diese Faktenkontrolle, um einmal Gesagtes besser wieder ungesagt und damit unpubliziert zu machen und im Gespräch verpasste und vergessene Themen plötzlich auf die mediale Agenda zu setzen. Das Murren bei den Redakteuren gegen diese Praxis wurde in der letzten Zeit auch bei uns immer lauter, wie ich hier bereits beschrieben habe.

Jetzt hat sich auch die Financial Times Deutschland in einem Kommentar gegen diese Unart ausgesprochen – und die vier eigentlichen Opfer des Missbrauchs benannt: Die Sprache, der Respekt vor dem Interviewpartner, das Ansehen der Presse und die Kontrollfunktion der Medien. So weit richtig und korrekt. Interessanterweise endet der Kommentar mit dem „Aufruf an die Presse: Folgen wir der „New York Times“. Setzen wir uns zusammen, um zu beraten, wie wir dem Missstand ein Ende setzen.

Ein Aufruf an alle Medien. Jetzt werde ich skeptisch. Was soll das denn jetzt? Warum setzt die Financial Times Deutschland nicht viel besser selbst ein Zeichen und schließt sich der New York Times an? Wäre dies nicht das richtige Statement, mit der nebenbei auch die Zeitung selbst viele Sympathien gewinnen können? Würden dann nicht weitere (Qualitäts-)Medien nachziehen (müssen)? Wie gesagt: Der FTD-Kommentar ist vollkommen richtig. Nur wird solch ein Aufruf an alle leider versanden, wenn die Anregung durch die New York Times vom Tagesgeschäft wieder überholt ist. Genau das ist aus heutiger Sicht zu befürchten.

Guter Trend: New York Times will späteres Autorisieren von Interviews ablehnen

Gerade Kommunikationstrends aus den USA kommen immer mit etwas Verzögerung zu uns nach Deutschland. Bei dieser aktuellen Diskussion hoffe ich, dass es deutlich schneller geht. Worum es geht? Die New York Times will künftig Interviews ablehnen, die Interviewte später noch autorisieren wollen:

New York Times: „In New Policy, the Times forbids after-the-fact ‚Quote Approval‘.“ 

Auf diese Weise würde die Echtheit des Interviews für den Leser verloren gehen bzw. verfälscht werden. Wenn man bedenkt, welche negativen Entwicklungen die in Deutschland übliche Autorisierungs-Praxis bei uns zeigt, dann muss man Fernsehkritiker Hans Hoff recht geben, wenn er das Autorisieren als „Plage“ bezeichnet oder andere bereits von einem „Autorisierungswahn“ schreiben. Viele Medien reagierten darauf in der Vergangenheit dahingehend, dass sie nach der „Autorisierung“ Interviews entweder gar nicht druckten – wie aktuell DWDL beim X-Faktor-Interview, den Beitrag teils oder vollkommen geschwärzt publizierten oder die Veränderungen sogar sichtbar machten.

Um nicht missverstanden zu werden: Für ein Fact-Checking, um beispielsweise inhaltliche Fehler und Fakten noch vor der Publikation zu korrigieren, sind gemeinsame Absprachen gerade nach Interviews durchaus sinnvoll. Nur interpretieren viele Unternehmen, Agenturen und gerade Prominente diese Option eher dahingehend, dass sie ganze Beiträge in ihrem Sinn noch komplett umschreiben könnten. Wenn die jetzige Initiative der Times auch bei uns diesen negativen Auswüchsen ein Ende bereiten würde, wären (fast) alle glücklich.

Gedankenspiele zu Online Relations vom 18. September

auch wenn die Zeit derzeit für die Neuauflage unseres Buches „Public Relations“ drauf geht, habe ich mich in den letzten zwei Wochen parallel wieder durch zahlreiche Beiträge gelesen, von denen ich ein paar empfehle.

Krise im Onlinejournalismus
Stefan Plöchinger sorgt sich um den Onlinejournalismus. Dies hat der Süddeutsche.de-Chef auf dem DJV-Kongress „besser online“ wieder deutlich gemacht: Journalisten sind zu zahlenhörig, diskutieren zu platt, denken zu konservativ. Carta hat jetzt den Text seiner spannenden Eröffnungsrede abgedruckt.

Zukunftshoffnung für Journalisten
Bei seinen Treffen mit Medienmachern und Journalistenschulen hat Richard Gutjahr erste Anzeichen gewonnen, dass das Schlimmste hinter uns liegt und er in den Redaktionen sogar Zuversicht spürt. Seine Erkenntnisse hat er in 7 Tipps für die Zukunft zusammengefasst, die u.a. Zuhören, Eigeninitiativen, Informations-Curating, Multitasking und offensives Marketing betreffen.

Blog als Dialogkanal
Ein kompaktes Interview hat Nadja Amireh mit Thomas Zimmerling vom Jack Wolfskin Outdoor Blog über das Blog, den Nutzer-Dialog und die neuesten Trends für das PR-Journal geführt. Kernaussage: „Letztendlich bestimmen die Nutzer, was wo passiert.“

Facebook auch am Wochenende
Deutsche Unternehmen verschlafen das Wochenende auf Facebook. Dabei könnten sie besonders dann mit hoher Aufmerksamkeit rechnen, zitiert das fanpagekarma-Blog eine Studie. Nur 11% der Unternehmen posten ähnlich viel Beiträge auch am Wochenende. Dabei honorieren Fans Beiträge an Sonntagen mit doppelt so vielen Reaktionen wie unter der Woche. Also umdenken?

Twittern für die Karriere
Welche Twitter-Accounts liefern wertvolle Tipps und Tricks rund um die eigene Karriere? Christian Müller hat für die Karrierebibel sich die Mühe gemacht, 44 Twitter-Accounts für Jobsuchende zusammenzusuchen. In der nächsten Runde folgen dann sicherlich die Facebook- und Google+-Karriereseiten 😉

Pinterest wächst kontinuierlich
Viele sprachen nach dem Abflauen des Pinterest-Hypes schon vom Ende des Bilder-Netzwerkes. Doch dem Hype ist kein Einbruch sondern ein kontinuierliches Wachstum gefolgt, schreibt Martin Weigert. Pinterest sei nicht nur mittlerweile ein wichtigerer Trafficlieferant als Yahoo, Bing und Twitter und mit Instagram das schnellst wachsende Nischen-Netzwerk. Vor allem böte Pinterest klare Monetarisierungschancen.

Tool-Tipp: Wer für seinen nächsten Hangout eine Video-Ankündigung sucht, um darauf hinzuweisen, sollte sich bei Hypemyhangout.com bedienen. Innerhalb weniger Sekunden und dazu einfach zu bedienen entwickelt das kleine Tool ein 15-sekündiges Werbevideo für den geplanten Hangout. (via @ethority)

Gedankenspiele zu Online Relations vom 4. September

Diskussionen by Branch
In den letzten Wochen gab es viele Diskussionen rund um den Wert und die Qualität von Kommentaren im Netz – „verursacht“ v.a. durch Markus Beckedahls Klage. In diesem Kontext hat sich Thomas Pleil mit dem recht neuen Netzwerk Branch als qualitative Plattform für Diskussionen näher auseinandergesetzt. Und ich stimme seinem Fazit zu, dass sich die wirklich sinnvollen Einsatzmöglichkeiten noch zeigen müssen.

Mehr unternehmerisches Denken an Journalistenschulen
Im Rahmen ihrer Interview-Serie haben die VOCER-Macher mit Jeremy Caplan vom Poynter Institute der City University New York gesprochen. Auf 5 Minuten Interviewlänge macht er deutlich, was notwendig ist: „Wir können uns Luxus der Ignoranz nicht mehr leisten.“ Die Zukunft der Branche hängt an den kommenden Journalistengenerationen. Daher wird in die Ausbildung auch unternehmerisches Denken mit einbezogen. Studierende denken so nicht nur an Inhalte; sie denken sich auch Märkte von Inhalte aus. Und Geschäftsmodelle, um Unternehmen aufzubauen. Spannend. Meine übliche Frage: Warum gibt es solche Zukunftsansätze bei uns nicht?

Anleitung für AdWords
winlocal hat eine grandiose AdWords-Anleitung insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen online gestellt. Das Besondere daran: Ein Klick auf die einzelnen Unterpunkte verlinkt direkt auf weitere hilfreiche Artikel unterschiedlichster Quelle. Auf diese Weise findet jeder seinen Weg in die AdWords-Werbewelt.

Google+ als Unternehmenstool
Google baut Google+ immer stärker zum Unternehmenstool heraus, wie auch t3n schreibt: Inhalte wie Hangouts lassen sich auf das eigene Unternehmen beschränken. Wenn man sieht, wie stark Hangouts in Google Apps integriert werden, dann versteht man den Google Ansatz, mit G+ ihre Produkte „sozialer“ zu machen. Auch Klaus Eck setzt sich mit Google als mögliches Social Enterprise Tool für die interne Kommunikation auseinander.

Instagram Photo Maps für Unternehmen
Vor rund zwei Wochen hat Instagram die Photo Maps eingeführt. Ein praktisches Tool, um seine Fotos auf einer Karte anzeigen zu lassen. Doch wie lassen sich diese Maps auch von Unternehmen einsetzen? Das Radian6-Blog zeigt dies anhand von drei Beispielen auf: Starbucks, Burberry und WestJet Airlines.

Video-Tipp: Sight
Über einige Follower and Friends bin ich wieder auf das „Sight“-Video gestoßen. Und ja, wer wissen will, wie die Welt der Augmented Reality und der Google-Brillen aussehen wird, sollte sich diese 7 Minuten ansehen.

Lesetipp: Stefan Plöchinger über Onlinejournalismus

Der Chef von Suedddeutsche.de – Stefan Plöchinger – hat in den vergangenen Tagen eine hervorragende Serie zur Qualität im Onlinejournalismus in seinem Blog publiziert, die er ursprünglich für das Buch „Die Web-Revolution“ geschrieben hat. Man kann ihm dafür nur dankbar sein.

Diese fünf längeren Beiträge zählen zum Besten, was ich zusammenfassend zum Online-Journalismus gelesen habe: Über Qualität von Inhalten versus Quantität der Leser, Sorgfaltpflicht versus Tempo, Ehrlichkeit versus Schlagzeilen, Qualität versus Innovation; über Chancen starker Medienmarken und über Transparenz als Leserbindung. Dazu formuliert er konkrete Praxis- und Handelsanweisungen, fordert Journalisten wie Verleger zur Veränderung, zur Flexibilität, zum Mut zur Innovation auf:
Jedes Medienhaus hat die Chance auf eine maßgeschneiderte Exzellenz-Strategie im digitalen Journalismus. So wie sich jedes Medienhaus eine eigene Exzellenz-Strategie für die älteren Medien zurechtgelegt hat.

Vor allem spiegelt sich in seiner Serie der ungemeine Reiz wider, der Online-Journalismus gerade durch die vielfältigen Herausforderungen im Multimedium Internet inne ist – besonders für angehende Journalisten. Wie recht er doch hat, kann ich als Journalist wie als Journalismus-Dozent nur sagen. Und darum nochmals: Danke für diesen Text!

Geschmacklose Anzeigenplatzierung

Wenn ich solche Anzeigen wie hier im Berliner Tagesspiegel vom 13. Juli sehe, dann muss ich jedes Mal mit dem Kopf schütteln …

Liebe Anzeigenplaner:

So eine Platzierung geht thematisch natürlich überhaupt nicht. Das ist wirklich ziemlich geschmacklos – auch wenn es noch schlimmere Beispiele gibt!

Oder wurdet ihr – wie in anderen Zeitungen – bereits wegrationalisiert und die jetzt automatisierten Anzeigen-Platzierungssysteme sind blind? Sachen gibt es ….

 

Freitägliche Gedankenspiele zu Online Relations vom 20. April

Der gestrige Abend bei den PR Report Awards, den ich am wundervollen Tisch des PR-Journals wieder verbringen durfte, ist etwas länger geworden. Daher jetzt kurz noch 6 Leseempfehlungen aus der vergangenen Woche. Happy Weekend!

++++++++++

Journalismus (1): Ohne Urheber, keine Unternehmen
Kai Schächtele hat auf carta einen lesenswerten Beitrag zur Urheberrechtsdebatte geschrieben. Eines seiner Kernaussagen: „Ohne motivierte Urheber, die noch dazu die Marotte haben, von ihrer Arbeit leben zu wollen, haben Unternehmer nichts zum unternehmen.“ Korrekt. Wer sich dazu noch rechtlich informieren will: Heike Rost hat eine beeindruckende Linksammlung zum Urheberrecht zusammengestellt.

++++++++++

Journalismus (2): Zukunft ja, wenn …
Einen kluger Beitrag über die Zukunft des Journalismus hat Carsten Brosda auf vocer publiziert. In seinem eher optimistischen Rück- und Ausblick fordert er eine „Debatte über neue Finanzierungs- und Geschäftsmodelle, über neue Organisationsformen und über neue Darstellungslust, um Journalismus fit für das 21. Jahrhundert zu machen“.

++++++++++

Tools (1): Content-Verifizierung
Einen hervorragenden Überblick über Tools zur Verifizierung von Inhalten im Social Media Bereich hat Konrad Weber zusammengestellt. Er zeigt, wie sich die Korrektheit von Twitter-Accounts, Websites, Bilder und Videos überprüfen lässt. Da gibt es einiges zu lernen.

++++++++++

Tools (2): Suchmaschinenoptimierung
Welche SEO-Tools sind wirklich wichtig? Der Online-Marketing-Spezialist Andre Alpar empfiehlt auf Gründerszene seine zentralen Hauptwerkzeuge: Von generellen Tools zu Spezialtools, von kostenlosen zu kostenpflichtigen Tools.

++++++++++

Google (1): So wird Google+ zum Erfolg
Noch Zweifel bzgl. eines Google+ Engagements? Die karrierebibel liefert einen ausführlichen Argumentationsfaden samt Verhaltenstipps, warum sich dieses zeitliche Investment lohnt. Auch bei infographiclabs gibt’s eine Infografik zu 20 Gründen, die für Google+ sprechen.

++++++++++

Google (2): Publishing per Google Currents
Wie Einzelpersonen wie Unternehmen die neu verfügbaren Google Currents als Corporate Publishing Tool einsetzen können und welche Chancen sich daraus ergeben, das hat Frank Hamm in seinem Beitrag ausführlich aufgeführt.

Freitägliche Gedankenspiele zu Online Relations am Karfreitag

Während draußen der Osterhase bereits wartet, habe ich noch einige Link-Tipps zu Beiträgen kommentiert, die mir letzte Woche positiv aufgefallen sind. Ansonsten wünsche ich „Schöne Ostern“!

++++++++++

Die neuen Gatekeeper
Peter Schink hat einen interessanten Beitrag über die neuen Gatekeeper des Internets geschrieben. Sein Fazit: Die neuen Gatekeeper sind Knoten – ob als Medien oder Einzelmenschen.

++++++++++

Journalismus der Zukunft
Angesichts des Umbruchs in der Medienbranche hat vocer einen Blick auf die Entwicklung des Journalismus unter digitalen Vorzeichen geworfen und 15 Thesen formuliert.

++++++++++

Erfolgreiche CEO-Kommunikation
Warum steckt die CEO-Kommunikation in Deutschland noch in den Kinderschuhen? Und welche Rolle spielt Corporate Storytelling? Dieser Frage hat sich der PR-Blogger gestellt und sich mit dem auch von mir geschätzten Marriott-CEO-Blog auseinandergesetzt.

++++++++++

Digital Public Affairs
Einer meiner ehemaligen Lieblings-Studenten Martin Höfelmann hat UdL-Digital ein lesenswertes Interview zu seinem Master-Thema der Digital Public Affairs gegeben. Eine These: Noch hängt Deutschland den USA hinterher: „Auf lange Sicht wird sich Digital Public Affairs jedoch durchsetzen.“

++++++++++

Eye-Tracking für Facebook Chronik
SimpleUsability hat eine Eye-Tracking Studie zur neuen Facebook Chronik erstellt. Das Ergebnis, so futurebiz: Eine Veränderung im Interaktionsverhalten der User lässt sich nicht feststellen; wenig Aufmerksamkeit gegenüber Titelbild, Tabs in 2. Reihe, älteren Beiträgen und Meilensteinen, dafür Info-Bereich mit Relevanz.

++++++++++

Mobil ins Netz
Die mobile Internutzung steigt. Bis zum Jahre 2015 sollen es fast 800 Mio. sein, die das Internet ausschließlich mobil nutzen. Vor diesem Hintergrund hat SEO Trainee Möglichkeiten einer mobilen Internetstrategie verglichen: Die mobile Website-Version, externe Plugins sowie Apps.

%d Bloggern gefällt das: