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Zahlenwirrwarr: Wie viele Deutsche shoppen heute online?

Wenn mehrere Institutionen Zahlen zu derselben Aussage ausgeben, dann sehe ich mir die Ergebnisse meist etwas näher an. Wie zum Beispiel bzgl. der Anzahl der Online-Käufer in Deutschland.

Noch im Dezember 2012 schrieb das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer Pressemitteilung, dass 42,3 Millionen Deutsche in den vergangenen 12 Monaten – also im Verlauf des Jahres 2012 – Waren oder Dienstleistungen im Internet gekauft hatten. Laut dieser heute zwei Monate alten Zahlen von Destatis würden damit heutzutage 8 Prozent mehr deutsche User im Internet shoppen als im Vergleich zum Jahre 2007. Dass die stärksten Online-Shopper in der Altersgruppe 25- bis 44-Jährigen lagen und das höchste Wachstum wiederum die über 45-Jährigen verzeichneten, waren als News nicht weiter überraschend.

online-kaeufer-in-ausgewaehlten-laendern-2012 Vor ein paar Tagen legte nun statista diese hübsche Grafik nach – und zwar basierend auf Zahlen von emarketer. Danach shoppten 2012 41,2 Millionen Deutsche online. Auch wenn die Unterschiede zwischen den Zahlen nicht so groß sind: An welche Zahlen sollen wir uns denn jetzt halten?

Noch etwas fällt auf: Beide Zahlen – aber insbesondere die statista-emarketer-Ergebnisse – würden auf jeden Fall bedeuten, dass sich die Anzahl der Online-Käufer in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr nur minimal erhöht hat. Schon im Jahre 2011 hatten – dieses Mal laut der „Online Shopping Survey 2012“ der Gfk – insgesamt 41 Millionen Deutsche im Internet eingekauft – davon 2,9 Millionen per Mobiltelefon. Ist das wirklich glaubwürdig?

Mir ist bewusst, dass eine unterschiedliche Herangehensweise bei der Befragung zu diesen sagen wir mal „Variationen“ führen kann. Nur wirklich verlässlich wäre damit keine der Zahlen. Und das empfinde ich wiederum als bedenklich.

Sind die aktuellen Pinterest-Zahlen wirklich so eindrucksvoll? Ich weiß nicht.

In den letzten Tagen und Wochen haben sich die Beiträge gehäuft, die das Wachstum des neuen Social Media Lieblings Pinterest preisen. Dies ist bei aktuell 21 Mio. Nutzern weltweit und 17 Minuten durchschnittlicher Verweildauer auch kein Wunder. Diese Beiträge werden meist mit Grafiken illustriert – wie hier und hier, die dann wiederum gerne bei Pinterest selbst gesammelt werden – wie natürlich auch bei mir.

comScore Pinterest May 2011 to January 2012Diese Lobhymnen beziehen sich nicht nur auf das Heimatland USA, sondern auch auf Deutschland. 3.000 Prozent Wachstum für das neue Wunderkind seit Mai 2011 hieß es in den letzten Tagen – ob bei Ethority, im lesenswerten Blog „Ungedruckt“ der Wirtschaftswoche oder bei den geschätzten Kollegen von Social Media Statistiken.

Zahlen lassen sich bekanntlicherweise vielfältig interpretieren. Und auch wenn ich die europäischen comScore Zahlen in der eingefügten Grafik keinerlei in Zweifel ziehen will, stellen sich mir als Sozialwissenschaftler bei der Interpretation doch einige Fragen.

  • Zahlen: 67.000 Unique Visitors weist comScore für Deutschland aus. Das ist – verglichen selbst mit den vielen sich dem Ende zuneigenden deutschen Sozialen Netzwerken – nicht wirklich viel. In den USA ist dies bei 12 Mio. Unique Visitors etwas anderes. Dort ist Pinterest aber auch seit rund zwei Jahren online und gerade unter Frauen (82% Anteil) bekannt wie beliebt.
    Fazit: Von einer rasanten Erfolgsgeschichte kann man sicherlich für den amerikanischen Heimatmarkt sprechen; bei uns bleibt es derzeit (noch) ein Treff der Multiplikatoren und Early Adopter.
  • Wachstum: Natürlich klingt das Wachstum immer dann am größten, wenn man sich den Anfangspunkt heraussucht, als Pinterest in Deutschland noch über keinerlei Bekanntheit verfügte. Ein Blick auf die Grafik verdeutlicht dies: Würde man das Anfangsdatum nur um vier Monate in den September verschieben, würden die 3.000 Prozent auf wenige Prozente zusammenfallen. Nein, das soll nicht heißen, dass hier manipuliert wird. Nur lassen sich auf diese Weise Statistiken besonders eindrucksvoll ausweisen – wie dies beispielsweise auch Bankberater beim Anpreisen der Wachstumsraten von Aktien und Fonds gerne machen.
    Fazit: Von einem aktuell sehr hohen Pinterest-Wachstum in Deutschland zu sprechen, lässt sich auf jeden Fall mit dieser Statistik nicht nachweisen.
  • Trend: Wer die fünf Länder in Pinterest-Frühstarter und -Spätstarter einteilt, kommt bei der obigen Grafik auf ein weiteres spannendes Ergebnis: Während Deutschland, Italien und Spanien ein relativ kontinuierliches Wachstum bei der Pinterest-Nutzung verzeichnen, setzte die Begeisterung in Frankreich und vor allem in Großbritannien früh(er) ein und stieg enorm an. Sie fiel aber auch Ende des Jahres 2011 wieder stark in sich zusammen. Bedeutet dies, dass dort bereits eine „Pinterest-Fatigue“ eingekehrt ist? Sehen die Leute sich dort schon satt an Bildern? Zudem lässt sich auch nicht verleugnen, dass das Suchvolumen nach Pinterest auch in Deutschland in den letzten Wochen zurückgegangen ist, wie Google Insights unten verdeutlicht.
    Fazit: Von einer weiter wachsenden Pinterest-Begeisterung zu schreiben – wie die Wachstumsprozente über den fünf europäischen Ländern vermitteln sollen, ist so nicht haltbar.

Google Suchvolumen nach Pinterest in DeutschlandUm es deutlich zu sagen: Ich selbst bin ein absoluter Fan von Pinterest. Zudem zeigen mir viele Gespräche, dass diese Begeisterung in der nächsten Zeit weiter ansteigen wird. Das ist mein persönliches Gefühl. Nur geht es mir auch darum, Entwicklungen etwas genauer zu beobachten und dazu vorliegende Zahlen und Daten etwas zu analysieren.

Oder habe ich die vorliegenden Zahlen falsch gedeutet?

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