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Wo will ich bleiben? Jugendliche, Facebook und die “Others”

Derzeit wird viel darüber diskutiert, ob und wie stark Facebook unter den jüngeren Nutzern an Unterstützung und damit auch Bedeutung verliert. Ich bin mir nur nicht sicher, ob derzeit dazu die wirklich wichtigen Fragen gestellt werden. Einige will ich in diesem Beitrag mal aufgreifen und zur Diskussion stellen.

Wenn über den Rückgang der Facebook-Nutzung unter Jugendlichen gesprochen wird, dann wird insbesondere die aktuelle Umfrage von Piper Jaffray (siehe Abb.) herangezogen, bei der 8.650 US-Teenager im Alter von durchschnittlich 16 Jahren befragt wurden.

 

Piper Jaffray Facebook-Nutzung unter US-Jugendlichen

emarketer mit den Ergebnissen der Umfrage unter US-Jugendlichen von Piper Jaffray

Das Ergebnis: Bei der Frage nach den “Preferred Social Network” hat Facebook stark verloren und ist hinter Twitter zurückgefallen – gleichauf mit Instagram. Google+, Tumblr und Pinterest spielen bei den US-Jugendlichen überhaupt keine Rolle – sogar mit fallender Tendenz.

Bei der Vorstellung der aktuellen und positiven Facebook-Nutzerzahlen räumte auch CFO David Ebersman ein: “Our best analysis of youth engagement in the U.S. reveals that usage of Facebook among U.S. teens overall was stable. (…) We did see a decrease in daily users specifically among younger teens.

Unterscheidung zwischen nutzen und lieben

Wenn ich andererseits die Zahlen des Pew Internet & American Life Project näher betrachte, so fällt mir dort sofort auf, dass die Teens keineswegs Facebook aufgegeben haben. Ganz im Gegenteil: Die Zahl der Facebook-Nutzer hat im Vergleich zum Vorjahr um 1 Prozent sogar zugenommen – wenn auch deutlich geringer als bei Twitter und Instagram. Wenn man berücksichtigt, dass die Pew Internet-Zahlen aus dem Herbst 2012 stammen, so müsste diese Veränderung bei der Teenager-Facebook-Nutzung also im Verlauf dieses Jahr 2013 passiert sein.

Pew Internet und die Nutzung von Social Networks unter US-Jugendlichen

Pew Internet über die Nutzung von Social Networks in den USA unter Jugendlichen

Folglich frage ich mich, ob es einen Anlass gab, der zu dieser Entwicklung geführt hat? Oder muss ich vielleicht zwischen “preferred social network” und “accounts in a social network” unterscheiden? Das heißt, dass zwar die Teenager weiterhin ihren Facebook-Account führen und auch neue einrichten, dieses Netzwerk aber nicht mehr so sexy finden und sich parallel nach etwas neuem umsehen. Eine Antwort könnten hier beispielsweise repräsentative Zahlen zu gelöschten Facebook-Accounts unter Jugendlichen oder aber auch die Entwicklung der Nutzungsdauer von Facebook geben, was ich aber beides nicht entdecken konnte. Gibt es dazu konkrete Zahlen?

Warum auf Teenager ausrichten
Ob Facebook überhaupt für Teenager interessanter werden will, ist eine ganz andere Frage. Teenager sind für Facebook sicherlich eine wichtige Zielgruppe, gerade als Trendgeber und Multiplikator. Doch bringen sie dem börsennotierten Unternehmen wirklich so viel Umsatz und Werbeeinnahmen? Ist es also da überraschend, dass momentan ganz andere Nutzergruppen – unter anderem ältere Frauen ab 50 Jahren – das Wachstum von Facebook hochtreiben? Nicht wirklich.

Vor allem aber: Es gibt wohl kaum eine andere Altersgruppe, die so schnell ihre Plattformen und Gewohnheiten wandelt und ihren Freunden oder auch Stars auf deren neue Plattform-Errungenschaften folgt. Gestern Facebook, heute die Facebook-Tochter Instagram und das extrem wachsende Foto-Netzwerk Snapshot. Und morgen? Was würde passieren, wenn Justin Bieber & Friends plötzlich ein ganz anderes Netzwerk lieben würden? Würden ihre Teenager-Fans nicht sofort mitwandern? Ich glaube ganz sicher ja. Und alle würden von der Flucht aus Instagram und Snapchot sprechen und schreiben.

Die Sieger sind die “Other”
Noch eine andere Anmerkung zur Piper Jaffray Umfrage: Hat sich jemand mal die Zahl der “Other” angesehen? Ein Wachstum um 13 Prozent innerhalb von einem halben Jahr – und damit bereits auf Platz 4 der “preferred Social Networks”. Wirklich beachtlich. Doch welche Sozialen Netzwerke verbergen sich hinter dem Begriff “Other”? Snapchat und andere? Dies wäre auf jeden Fall hoch interessant zu wissen.

Denn in Wirklichkeit sind diese “Other” die “Gewinner” dieser Umfrage. Sie geben den Trend für die nächsten Monate und das nächste Jahr vor. Und sie zeigen eines: Die Zersplitterung der Social Network wird sich weiter verstärken, da sich gerade junge Zielgruppen auf immer mehr Netzwerken parallel aufhalten bzw. zwischen ihnen wechseln. Genau dies stellt auch die wirkliche Herausforderung bei den kommunikativen Aktivitäten dar.

About dominikruisinger

Ideen, Gedanken, Anmerkungen von Dominik Ruisinger – Journalist, Dozent, Coach, PR-Berater, Autor der Fachbücher 'Online Relations' und 'Public Relations'

Discussion

4 thoughts on “Wo will ich bleiben? Jugendliche, Facebook und die “Others”

  1. Guter Beitrag Dominik – Danke!
    Die “Others” sind ein breites Feld, sonst würde es das Social Media-Prisma von Brian Solis ja einfach nur als Eichenblatt geben. In Deutschland ist ein Abwandern in der Mobilnutzung hin zu WhatsApp sicher festzustellen, auch wenn bei Nachhaken mir immer wieder bestätigt wird, daß es sich bei der Nutzung tatsächlich um Chat und meist auch eher Banalitäten handelt.
    Meine Wahrnehmung ist nicht, daß wir nachhaltig Teilnehmer junger oder alter Natur bei Facebook verlieren. Ich nehm da einen recht stabilen Kurs wahr. Und gäbe es die enge Bindung Instagram-Facebook nicht, ich glaub wir hätten auch weniger Zuwachs bei Instagram.
    Gruß, Markus

    Posted by mbesch (@mbesch) | 2. November 2013, 2:09 pm
    • Markus, danke dir für dein Lob!
      Deinem Gefühl bzgl. Facebook kann ich folgen – gerade in Kombination mit Instagram. Zwar gibt es einige jüngere, die vielleicht nicht mehr ganz so intensiv Facebook nutzen – da sie sich auch auf anderen Kanälen bewegen. Aber kaum einer würde sich deshalb bei Facebook abmelden oder auf seine Aktivitäten ganz verzichten.
      An das Social Media Prism von Solis hatte ich auch gedacht. Nur: Dieses Prism gibt es schon eine ganze Weile. Aber dieser extreme Anstieg im Bereich “Others” innerhalb der letzten 6 Monate ist doch schon auffällig. Und das alles auf den Snapchat-Hype zu schieben, genügt mir nicht. Was verbirgt sich da noch dahinter? Es lohnt sich auf jeden Fall, dies zu beobachten.

      Posted by dominikruisinger | 2. November 2013, 3:06 pm

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  1. Pingback: Gedankenspiele-Lesetipps vom 09-12-13 | GEDANKENSPIELE by Dominik Ruisinger - 9. December 2013

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