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Der Multimedia-Contest des World Press Photo 2013

Paul Hansen: Gewinner World Press Photo Award 2013

Copyright: Paul Hansen: Gewinner World Press Photo Award 2013

Kürzlich wurden die World Press Photo Awards 2013 vergeben. Seit ein paar Tagen prangt das tief beeindruckende Gewinnerbild des schwedischen Photojournalisten Paul Hansen auf vielen Medienseiten – print wie online: Eine wütend-verzweifelte Menge im Gazastreifen in einer schmalen Gasse, die den Tod zweier kleiner Jungen nach einem israelischen Raketenangriff beklagt: Laut, rasend, schreiend, trauernd, verzweifelnd, hilf- und hoffnungslos. Erschütternd und ein verdientes Gewinner-Photo.

Die Flucht nach Johannesburg
Genauer habe ich mir die Gewinner des 2013 Multimedia Contest angesehen, der zum dritten Mal durchgeführt wurde, dieses Jahr in den Kategorien Online Short, Online Feature und Interactive Documentary. Wer sich die Preisträger der ersten beiden Kategorien durchsieht – der Unterschied zwischen beiden bleibt mir bis heute schleierhaft –, wird guten Multimedia-Journalismus erleben – stets als Kombination aus Audio-Slideshows, Video-Sequenzen, Text und Sound.

Spannend ist gerade die mit dem 1. Preis gekrönte Reportage “Into the Shadows“. Sie erzählt davon, wie Menschen von überall her aus afrikanischen Nachbarländern ins südafrikanische Johannesburg drängen bzw. dorthin fliehen, um dort eine neue Heimat suchen. Auch wenn sie in der “Inner-City Johannesburg” meist in Bretter-Siedlungen hausen und aufgrund ihrer Herkunft sozial diskriminiert werden, hängen die Portraitierten an ihrer Hoffnung für eine bessere Zukunft.

Das emotionale Portrait einer Ex-Mara
Neugierig war ich besonders auf die interaktiven Dokumentar-Projekte. Gewinner ist ein 40-minütiges ARTE-Portrait der Guatemaltekin Alma, die nach vielen Jahren Mitglied in einer brutalen Mara-Gang ausgestiegen ist und jetzt mit 26 Jahren sehr emotional auf ihr Leben zwischen verlorener Kindheit und schnellem Erwachsenwerden in den Armenvierteln, eigenen Morden, grenzenloser Brutalität und täglichen Grausamkeiten, aufkommenden Fluchtgedanken und starker Banden-Bindung, Ausweglosigkeit und persönlichen Verlusten zurückblickt. “Alma. Ein Kind der Gewalt” wird so zum schockierenden wie offenen Lebensbericht, der gleichzeitig kaum Mitleid mit ihr zulässt.

Portrait der Ex-Mara Alma bei ARTE

Portrait der Ex-Mara Alma bei ARTE

Interaktivität weiterhin ausbaufähig
Und die Interaktivität des Dokumentarprojektes? Während des Interview-Verlaufs findet der Betrachter im oberen Sichtbereich eine miterzählende Bilderabfolge, die er herunterziehen und damit tiefer in die Bilder eintauchen kann, während Alma spricht. Zudem bietet ARTE Hintergrundmaterialien in Form von Bildern mit Text sowie das gesamte Projekt als prima funktionierende App – sowohl für das iPad als auch für Android-Tablets.

Reicht diese Interaktivität wirklich aus, um als interaktives Projekt international ausgezeichnet zu werden? Anscheinend ja. Ich selbst finde es weiterhin schade, wenn gerade Medien die Vielfalt der Interaktivität nicht nutzen. Warum wird die Story nur über die Webseite erzählt? Warum werden keine weiteren Medienplattformen eingesetzt? Warum wird beispielsweise kein Facebook oder ein anderer Dialogkanal eingebunden, um eine Anschlusskommunikation mit Betrachtern zu erreichen?

Bei allen hier prämierten Reportagen scheint diese Interaktivität sich weiterhin auf die eigene Wahl der Bilder zu beschränken. Ein wirkliches Eingreifen bzw. Interagieren mit der Reportage findet nicht statt. Noch nicht. Vielleicht dann bei den Gewinnern des kommenden Jahres?

About dominikruisinger

Ideen, Gedanken, Anmerkungen von Dominik Ruisinger – Journalist, Dozent, Coach, PR-Berater, Autor der Fachbücher 'Online Relations' und 'Public Relations'

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