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Worst Case: No Social Media im Kunstmuseum Wolfsburg

Ich gebe es gerne zu: Ich bin ein alter Kunst- und Kulturfreak. Egal wo und wie ich gerade unterwegs bin, suche ich immer nach spannenden Theaterstücken, neuen Filmen und aktuellen Ausstellungen. Und davon gibt es eine ganze Menge. Parallel bin ich jedes Mal neugierig, wie Kultureinrichtungen “die Sache mit dem Social Media” angehen.

Zu Besuch bei Frank Stella
So auch vor drei Tagen im Kunstmuseum Wolfsburg. Warum Wolfsburg wenn nicht VW? Das Kunstmuseum hat einem meiner (vielen) Heroen, Frank Stella, eine große Retrospektive anlässlich dessen 75. Geburtstag gewidmet, die übrigens nur noch bis zum 20. Januar läuft. Natürlich hätte ich gerne hier im Blog einige Fotos seiner grandiosen Kunstwerke aus den frühen 60er Jahren bis in unsere heutige Zeit gezeigt. Doch Pustekuchen: Fotos sind nur für den privaten Gebrauch erlaubt und schließt jegliche Publikation aus. Wie das?

Schon an der Kasse wartet auf den überraschten Hobbyknipser ein Formular, das er ausfüllen muss, sollte er auch nur ein Foto schießen wollen. In diesem Formular wird er ausdrücklich drauf hingewiesen, dass er seine Bilder nur für den privaten Gebrauch nutzen darf – also maximal für den allseits gefürchteten Dia-Abend oder das Fotoalbum – und dass er diese weder über Facebook, Twitter, sein Blog noch andere Social Media Plattformen – unabhängig der jeweiligen Privatsphäre-Einstellung – teilen darf. Diese Vereinbarung darf man dann mit seinem kompletten Datensatz bestätigen.

Kein Social Sharing erlaubt
Moment, leben wir nicht in einer Welt, in der die Kommunikation immer stärker durch Social Media Kanäle bestimmt ist? Nutzt nicht auch das Marketing diese Kanäle, um auf Produkte und Leistungen hinzuweisen? Und setzen nicht auch immer mehr Kultureinrichtungen, wie u.a. der geschätzte Christian Henner-Fehr regelmäßig skizziert, diese Kanäle – ob per Kultur TweetUp oder aktives Facebook-Engagement -, um möglichst viele Besucher auf ihre Werke neugierig zu machen und damit sie auch als Besucher zu gewinnen? Nicht so in Wolfsburg! Dies hätten die Sammler der Werke untersagt, wie mir eine freundliche Aufseherin erklärte. Man sei schon froh, diese Kunstwerke überhaupt ausstellen zu dürfen.

Liebe Sammler, liebe Museen, liebe Künstler,
Ich kann nur sagen, dass ihr euch damit selbst einen Bärendienst erweist. Das ist nicht mal nur die Denke einer vergangenen Zeit. Diese kommunikationsunfreundliche Haltung war schon immer falsch und wird künftig noch schlimmer. Denn jede Social Media Aktivität – und damit meine ich hier ausdrücklich die privaten – trägt u.a. dazu bei,

  • weitere Besucher ins Museum zu locken und damit die Besucherzahlen und die Auslastung zu erhöhen,
  • die Kunstwerke auch einem neuen Publikum vorzustellen und dieses an die Kunst heranzuführen,
  • die Bekanntheit des Künstlers und seiner Werke weiter zu erhöhen und damit indirekt auch den Wert der gesammelten eigenen Werke zu steigern.

Also mehr Öffentlichkeit, mehr Bekanntheit, mehr Wert. Ich habe lange darüber nachgedacht, welche Gründe gegen privates Einstellen in die eigenen Social Media Kanäle sprechen könnte. Und habe keine gefunden – außer man hat Angst vor mehr Besuchern, weiteren Publikationen und damit einer gesteigerten Öffentlichkeit. Aber veranstalten Museen nicht genau aus diesem Grund solche – tollen! – Ausstellungen?

About dominikruisinger

Ideen, Gedanken, Anmerkungen von Dominik Ruisinger – Journalist, Dozent, Coach, PR-Berater, Autor der Fachbücher 'Online Relations' und 'Public Relations'

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