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Lektionen: Wenn Ausbildungseinrichtungen schlechte Pressemitteilungen versenden

Ich bekomme täglich viele Pressemitteilungen: Hervorragende, gute, mittelmäßige, schlechte und ganz grausame. Darüber rege ich mich nur noch ab und zu auf. Richtig nachdenklich werde ich, wenn diese Fehler gerade von arrivierten PR-Ausbildungsträgern gemacht werden. Kürzlich erhielt ich eine Pressemitteilung von einer der führenden PR-Institutionen, bei der alle Kontakte – aber wirklich alle – in das CC:-Feld reinkopiert waren. Kaum zu glauben. Hoffentlich vermitteln sie das nicht ihren Teilnehmern.

Für kräftiges Kopfschütteln hat bei mir auch die folgende Pressemitteilung von der Social Media Akademie gesorgt, die mich gestern erreichte. Gerade weil sie von einem Ausbildungsinstitut stammt, dessen Arbeit ich sehr schätze. Nur warum dann solch eine Pressemitteilung? Denn liebe Akademie, auch diese furchtbar traditionelle und wenig SoMe-haltige Medienarbeit via Pressemitteilungen gehört zu jedem Kommunikationshandwerk dazu. Aber machen wir uns einfach kurz über diese Pressemitteilung (siehe Bild) her.

Schlechtes Beispiel für PressemitteilungEin Titel, der in die Irre führt
Der Titel “1000 Online Marketing Manager werden gesucht” hat mich wirklich neugierig gemacht. Und was fragt man sich da sofort: In welchen Bereichen wird denn gesucht? In welchen Unternehmen? Und natürlich auch, wo ist die Quelle für diese Aussage? Gab es vielleicht eine Studie, eine Umfrage, irgendetwas etwas? Schon jetzt bin ich bei dieser Pressemitteilung richtig verärgert. Denn sie bietet mir zu dieser Schlagzeile aber auch gar nichts. Es ist eine reine Behauptung, die im ersten Absatz nicht nur wiederholt wird, sondern auch noch mit “mehr als 1000 Online Marketing Manager gesucht” verstärkt wird.

Ein erster Absatz, der keinen Beleg findet
Im ersten Absatz wird krampfhaft nach einem Ansatz gesucht; dazu wird – auch wenn sie diese Aussage im keinstem Umfang trägt – die Studie “Online-Marketing-Trends 2012” von Absolit herangezogen. Dass diese Studie schon aus dem April ist, bleibt unerwähnt. Und die “92,8 Prozent der 727 befragten Unternehmen setzen auf Online-Marketing” konnte ich bei meiner Recherche auch nicht finden. Mit diesem Prozentsatz ist höchstens die Aussage “92,8 Prozent der 727 befragten Unternehmen setzen auf die eigene Homepage zur Präsentation des Unternehmens” verbunden. Vielleicht habe ich die Aussage nur nicht gefunden. Dass es bei dieser Studie – wie Absolit selbst schreibt – um onlineaffine Unternehmen handelt, wird auch nicht erwähnt. Denn damit verliert die Aussage natürlich weiter an allgemeingültiger Aussagekraft.

Diese Pressemitteilung wirkt auf mich als Empfänger so, als hätte man krampfhaft nach einem Aufhänger gesucht, um die Aussagen des Geschäftsführers unterzubringen, “dass erfolgreiches Online Marketing nur mit gut ausgebildeten Fachkräften möglich ist” – was natürlich vollkommen richtig ist und von mir als Dozent in diesem Bereich nur unterstrichen werden kann.

Ein Termin, der schon neun Wochen zurückliegt
Ganz krude wird die Pressemitteilung, wenn im Anschluss noch auf die Themenwoche “Online Marketing” hingewiesen wird, die in der KW 38 stattfindet. Nun lasst uns doch mal gemeinsam in den Kalender blicken – und welche Kalenderwoche kommt raus? Richtig, wir befinden uns bereits in KW 47. Jetzt bin ich erst recht als möglicher Berichterstatter sauer: Entweder wurde hier verdammt schlampig gearbeitet oder aber eine Pressemitteilung aus der Vergangenheit nochmals herausgezogen.

Online-Pressearbeit via Online-PR-PortaleDie Masse macht nur Fehler sichtbar
Ach ja: Klitzekleiner Tipp noch an den Pressemitteilungs-Versender: Bei solchen Fehlern darf man sich nicht wundern, wenn sie kein sauber recherchierendes Medium aufnehmen wird. Da bringt es nichts, wenn man sie massiv über die gesamten Online-Marketing-Portale wie presseanzeiger.de, nachrichten.net, presseschleuder.de (siehe Bild) streut. Übrigens ganz im Gegenteil: Denn erst so werden die Fehler noch sichtbarer.

Daher: Einfach beim nächsten Mal professioneller und sorgfältiger arbeiten. Dann klappt es auch mit der Medienansprache. Versprochen.

About dominikruisinger

Ideen, Gedanken, Anmerkungen von Dominik Ruisinger – Journalist, Dozent, Coach, PR-Berater, Autor der Fachbücher 'Online Relations' und 'Public Relations'

Discussion

3 thoughts on “Lektionen: Wenn Ausbildungseinrichtungen schlechte Pressemitteilungen versenden

  1. Sehr schön. Ein prima Anschauungsbeispiel wie es nicht geht. Auch ich habe fast täglich mit Presseinformationen zu tun, die tatsächlich von PR-Agenturen mit vielen Mitarbeitern stammen und in diesem Stil verfasst sind. Und die schreiben dann über Kommunikationsstrategien, über Pressearbeit – und im schlimmsten Fall noch über Krisen-PR. Dabei ist die Krise doch schon längst da – im eigenen Haus und mit solchen Texten😉

    Posted by David Wolf | 27. November 2012, 10:03 am
    • Wahre Worte. Die Qualität hat wirklich nichts mit der Größe oder Bekanntheit der Agentur bzw. des Unternehmens zu tun – da gleichen sich unsere Erfahrungen. In meinem Verteiler gibt es auch einige Horror-Trips, die bekannte Agenturen verbrochen haben. Und dann vergessen viele, dass sie eigentlich die Aufgabe des Übersetzers haben – der nicht über Strategien sprechen soll, sondern konkret über Fakten, über konkrete Entwicklungen, über bildhafte Beispiele. Wäre schön, wenn auch so etwas mal hier ankommen würde …

      Posted by dominikruisinger | 28. November 2012, 4:23 pm
  2. Ich bin z.B. gerade dabei, schlechte bzw. unprofessionelle E-Mail-Anschreiben von Agenturen oder Beraterfirmen zu sammeln. Es muss nicht einmal eine Presseinfo sein, sondern alleine die Texte der Anschreiben – also die Ansprache der Redaktionen – ist schon oft sehr hanebüchen. Das ist z.T. ganz schlechte Eigen-PR, was vielen anscheinend gar nicht bewusst ist – oder sie können es einfach nicht besser. Wenn ich genug Material beisammen habe, kann ich mir eine Publikation sozusagen als Worst-Case-Sammlung mit eigenen Kommentaren gut vorstellen. Vielleicht ergeben sich da ja Anknüpfungspunkte mit deinem Material …?

    Posted by David Wolf | 28. November 2012, 9:34 pm

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