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Was die PR Report Awards mit dem War of Talents zu tun haben

Gestern Abend habe ich mir nochmals das kurze Video „Der Krieg um Köpfe eskaliert!“ auf The Third Club angesehen. Darin beklagt Mirko Kaminski von achtung! den immer stärker eskalierenden „War of Talents“, den Kampf um Köpfe, der bis in die PR-Agenturen hineinreicht. Mitarbeiter würden direkt aus der Agentur abgeworben werden. Viele Projekte ließen sich mangels qualifizierten Personals nicht mehr realisieren. Das Problem sei, so Kaminski, dass es in vielen Agenturen in den letzten Jahren „mehr um Margen denn um Menschen, mehr um Boni für Agenturmanager denn um Bindung von Mitarbeitern, mehr um Akquise neuer Kunden denn um Ausbildung junger Talente“ gegangen war. Dies könnte künftig dazu führen, so seine Prognose, dass Agenturen schließen müssten, weil sie keine Mitarbeiter mehr finden würden.

Mirko Kaminski hat vollkommen Recht. Und zwar in allem, was er hier sagt. Es ist eine vollkommen berechtigte Klage an die eigene Branche – und damit an sich selbst -, sich zu wenig mit der Nachwuchsförderung auseinandergesetzt zu haben. Gleichzeitig ist es Ausdruck einer Angst vor der ungewissen Zukunft: Keine Agentur, kein Unternehmen, keine Institution wird sich künftig dem „War of Talents“ und damit auch dem „Loss of Talents“ entziehen können. Jeder wird am Verlust von guten Mitarbeitern leiden. Und verzweifelt nach neuem Personal suchen. Doch neben Ausbildung bestehender Mitarbeiter, Headhunting und anderen Maßnahmen:  Welche Chancen bietet die Branche für ein Talent-Scouting?

Kein Award für Studierenden

19. April 2012: In Berlin werden die diesjährigen PR Report Awards verliehen. In 21 Kategorien sind mögliche Preisträger nominiert und werden Preise verliehen – für großartige Kampagne, kleine feine Kampagnen und eher mittelmäßige Kampagnen. Die einzige Kategorie, die in diesem Jahr gestrichen wurde, ist die Kategorie „Bester Student/in des Jahres“. Der Grund – so Moderatorin Barbara Schöneberger: Keiner der Nominierten hätte die Jury völlig überzeugen können. Übersetzt bedeutet dies: Die Jury befand keinen als wirklich gut und preiswürdig.

Dies war der traurige Moment bei den Awards. Nur wie kam es dazu? Gab es nicht ausreichend Interessierte an einer Nominierung? Konnten die Hochschulen ihre besten Studierenden nicht für eine „Bewerbung“ motivieren, obwohl sie sich doch direkt vor ihren Arbeitgebern aus Agenturen und Unternehmen zeigen, die nur so nach Talenten suchen? Fehlte der Sponsor-Pate für diesen Nachwuchs-Award? Setzte die Jury zu strenge Maßstäbe an, die nur schwer zu erfüllen waren? Alles nur schwer vorstellbar. Ich selbst war nicht in der Jury und kann diese Frage daher final nicht beurteilen.

Negatives Signal an die Branche

Eines weiß ich aber: Die Jury hat auf jeden Fall mit der Nicht-Vergabe ein sehr negatives Signal ausgesendet, das hoffentlich ein einmaliger Fehltritt bleibt. Diese Veranstaltungen sind zentrale Schaufenster der Branche – und zwar der gesamten Branche. Die Kategorie „Student/in des Jahres“ ist eine „Must-Kategorie“, die Nichtvergabe – wie das PR-Journal schreibt – „ein Armutszeugnis für die Verantwortlichen und eine Zumutung gegenüber dem hochqualifizierten deutschen PR-Nachwuchs“.

Unabhängig von der absoluten Qualität der Nominierten hätte eine Prämierung das positive Signal an den Nachwuchs und die „Talents“ ausgegeben, „wir schätzen euch, wir brauchen euch, wir wollen euch fördern und ihr gehört zu uns“. Professoren und Dozenten müssen gleichzeitig ihre Studierenden (weiterhin) verstärkt auf solche Chancen aufmerksam machen und sie zur Bewerbung motivieren. Denn wenn es nicht gelingt, diesen Nachwuchs – Studierende, Trainees, Absolventen, auch Junioren – verstärkt in solche Veranstaltungen zu integrieren, wo soll denn dann die „Search for Talents“ noch hinführen?

Ich weiß: Dies sind nur zwei Beispiele, die ich hier explizit herausgepickt habe. Aber sie zeigen, wie weit die Suche nach Talenten und die Integration von möglichen Talenten noch auseinanderklaffen. Diese Lücke muss geschlossen werden. Und zwar ganz schnell.

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Über dominikruisinger

Ideen, Gedanken, Anmerkungen von Dominik Ruisinger – Journalist, Dozent, Coach, PR-Berater, Autor der Fachbücher 'Online Relations' und 'Public Relations'

Diskussionen

29 Gedanken zu “Was die PR Report Awards mit dem War of Talents zu tun haben

  1. Das ging ja völlig an mir vorbei. Es gab keinen effing Award für den Nachwuchs? Meinen die das wirklich ernst? Im letzten Jahr rangen mit Martin Höfelmann als späterem Preisträger (http://2012.prreportawards.de/die-gewinner/archiv-2011/student-des-jahres.html) vier weitere derart ausgezeichnete Nachwuchskräfte um den Preis, dass ich es nicht einmal auf die Nominiertenliste schaffte (kein Ärgernis für mich, aber ein Beweis für das starke Feld). Und jetzt soll es innert eines Jahres einen derartigen Leistungsabfall gegeben haben?

    Dominik, ich bin vollkommen deiner Meinung: Die Nicht-Vergabe ist ein absolutes Armutszeugnis und ein Schlag ins Gesicht für alle Talente, die sich beworben haben.

    Gibt es von Seiten des Third Club eventuell Impulse einen eigenen Nachwuchspreis auszuloben, wenn es die #prrawards schon nicht auf die Reihe bekommen den Talenten Tribut zu zollen?

    Geschrieben von Daniel Rehn | 24. April 2012, 12:58 nachmittags
  2. @Daniel Ich bin in diesem Moment im Saal auch mehr als tief im Sessel versunken. Denn das war das absolute Unding, das sich die Jury hier geleistet hat. Der Grund dafür bleibt weiterhin mehr als schleierhaft: Einerseits gibt es Professoren, die sagen, dass sie die besten Absolventen eingereicht haben, die sie jeweils eingereicht haben. Andererseits sprechen manche von einem fehlenden Sponsor/Präsentator für diesen Preis, was ich absolut nicht glaube. Denn welches Unternehmen, welche Agentur würde sich als Präsentator nicht genau diesen Preis für den besten Studi ans Revers heften – schließlich kämpfen doch alle um diese Talente wie dich ;-).

    Zudem ist es so oder so komisch, dass es bis heute – gerade bei diesem “War of Talents” – keinen Preis für den Nachwuchs gibt. Preise für junge Journalisten gibt es dagegen in Massen. Darum: Wenn sich The Third Club dieses Themas annehmen würde, ich glaube, dass die Resonanz groß wäre – auch bei der Berichterstattung.

    Geschrieben von dominikruisinger | 24. April 2012, 1:23 nachmittags
    • Ich bin auch mehr als irritiert, dass es bislang keine wirklichen Alternativen zum Award des PR Reports gab. Hier und da vielleicht ein Stipendium, eine kleine Ehrung im ganz lokalen Rahmen, vielleicht noch hochschul-/uniintern … aber etwas mit richtig Wumms? Da habe ich noch nicht viel gesehen. Oder es ging einfach nur an mir vorbei.

      Es wäre wirklich interessant noch einmal ein Statement von Seiten der Veranstalter zu kriegen, warum genau es keinen Award gab. Das “für nicht würdig befunden” kann so einfach nicht stehen bleiben. Das wäre, wie bereits gesagt, ein absolut falsches Signal an den Nachwuchs. Wenn man offen sagt, dass sich kein Sponsor fand und man nicht bei den Unternehmen/Agenturen etc. nachgefragt hat, ob sie Zuschüsse dafür geben wollen, dann wäre das zwar ebenso bitter, aber man wüsste, woran man ist.

      Geschrieben von Daniel Rehn | 24. April 2012, 1:59 nachmittags
  3. Ein Statement des PR Reports bzw. der Jury wäre wirklich mehr als notwendig. Denn das Zeichen ist mehr als falsch. Nur hätte dies eigentlich schon auf der Veranstaltung geschehen sollen – nein, müssen.

    Mich wundert es aber auch, dass außer im PR-Journal und hier noch nicht darüber geschrieben wurde – oder von mir noch nicht entdeckt wurde. Scheinbar scheint dieses Thema in den Agenturen und Unternehmen doch nicht so wichtig zu sein. Wirklich sehr schade. Dies würde auch erklären, dass noch niemand anderes auf die Idee solch eines Preises gekommen ist. Oder denke ich da etwa falsch?

    Geschrieben von dominikruisinger | 24. April 2012, 2:08 nachmittags
  4. Ich habe mir jetzt eben noch einmal die Zeilen des PR Journals zur Nicht-Vergabe durchgelesen (http://www.pr-journal.de/redaktion-aktuell/branche/11403-prr-awards-2012-verdiente-preistraeger-fuer-pr-professional-pr-team-und-pr-agentur-des-jahres-leider-kein-student-in-des-jahres.html). Ganz, ganz bitter …

    Was deine Denke betrifft: Nein, ich glaube nicht, dass du da falsch unterwegs bist. Wie du eben schon meintest: Eigentlich müsste – gefühlt – jede Agentur und jedes Unternehmen, das Talente an sich binden will, die Idee einer entsprechenden Honorierung in der Schublade haben, um als Arbeitgeber in spe auf sich aufmerksam zu machen.

    Ganz ehrlich, wie hoch kann denn die finanzielle Patenschaft schon ausfallen, um den zukunftsträchtigsten Preis des Abends zu unterstützen? Ein hoher vierstelliger Betrag? Was niedrig Fünfstelliges? Oder ist das Sponsoring so über die Maßen hoch angesetzt, dass es niemand (alleine) zahlen mochte? Mir fehlen da offen gesagt die Vergleichswerte, aber am Ende müsste sich doch ein Pool von Gebern finden lassen, um das zu stemmen. Und wenn nicht, dann macht man eben etwas eigenes.

    Oder stelle ich mir das im Gegenzug alles zu einfach vor? Der internationale Nachwuchspreis der EUPRERA (European Public Relations Education and Research Association), der mir noch am ehesten als Würdigung einfällt, ist mit einem dreistelligen Betrag und der Reise zur Preisverleihung im Rahmen der Spring Symposien notiert. Selbst das funktioniert bestens …

    Geschrieben von Daniel Rehn | 24. April 2012, 2:20 nachmittags
  5. Die Kosten für solch einen Präsentator kenne ich nicht genau. Aber ich gehe davon aus, dass wir für solch eine Präsentation von einem mittleren vierstelligen Beitrag sprechen. Und als Investment und Demonstration von Verantwortung ist das für mittlere und größere Agenturen oder Unternehmen nicht gerade das Monster-Investment. Da kostet ja fast schon die Miete für einen Tisch beim Award mehr. Auch der Gewinner erhält außer dem Preis, die Teilnahme am Abend und die Anreise (glaube ich) nicht viel mehr. Da erinnere ich mich doch an mein letztjähriges Gespräch mit einem gewinnen Martin H. ;-).

    Darum nein, das kann wirklich kein Hinderungsgrund sein. Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen: Dieser Preis ist ein absoluter “Must”-Preis, an dem der Veranstalter niemals vorbei kommen kann – selbst dann, wenn es keinen Preis-Präsentator geben würde. In solch einem Moment müsste der PRR es sogar selbst übernehmen können – peinlich genug für alle anderen.

    Wie gesagt: Ich glaube nicht, dass wir zu einfach denken. Nur fehlte hier vielleicht der Wille bzw. war die Präsentation der Agentur-Größen wichtiger als der Gedanke an den Nachwuchs, der übrigens in den letzten Jahren immer an einen der hinteren Tische verpflanzt wurde. Nur: Wenn die Branche nicht an ihren Nachwuchs und damit ihre eigene Zukunft denkt – wie soll sie diese denn dann erleben ….

    Geschrieben von dominikruisinger | 24. April 2012, 3:17 nachmittags
  6. Die fehlende Förderung des Nachwuchses ist übrigens etwas, was sich auch in bestimmten Berufsverbänden der Branche widerspiegelt. Sogar bei denen, die sich die Nachwuchsförderung und die Professionalisierung des Berufsfelds (was ja durch qualifizierten Nachwuchs erreicht werden kann), auf die Fahne geschrieben haben.

    Ich persönlich bin leider immer wieder enttäuscht von den offiziellen Vertreten unserer Berufsgruppe als PR-Manager/Kommunikationsfachmann/Öffentlichkeitsarbeiter oder wie auch immer man es nennen mag. Sei es durch die mangelhafte Arbeit eines Verbands oder durch solche Patzer wie beim Award. Und eigentlich müssten ja gerade wir wissen, wie es funktioniert…

    Geschrieben von Sina | 24. April 2012, 3:27 nachmittags
  7. @Sina: Ich kann deine Enttäuschung sofort nachvollziehen. Denn solche Patzer darf sich eigentlich weder ein Verband noch ein Veranstalter erlauben – wenn gleichzeitig noch über die schwierige Suche nach geeignetem Personal gejammert wird. Die Frage ist nur, wie man dies ändern könnte, damit die Nachwuchsförderung deutlich stärker im Zentrum stehen würde. Schließlich geht es ja genau um diese Zukunft.

    Geschrieben von dominikruisinger | 24. April 2012, 5:32 nachmittags
  8. …ich empfehle einen Blick auf http://www.der-deutsche-pr-preis.de/ – dort gibt es den Junior-Award, der dieses Jahr erstmalig in den Gesamtpreis integriert wird und somit der Bedeutung des Nachwuchses zumindest ein wenig Aufmerksamkeit gibt

    Geschrieben von Thomas | 24. April 2012, 6:18 nachmittags
  9. Die Nummer war und ist beschämend, keine Frage. Die Gründe kenne ich nicht. Dennoch schlage ich mal einen Perspektivwechsel vor:
    - Was, wenn es gar keinen “Krieg” um Talente gibt?
    - Was, wenn der “Krieg” nicht oder nicht nur um Talente geführt werden muss, sondern mit der (noch) nicht vorhandenen Qualifikation dieser Talente oder
    - deren zu einseitige Orientierung auf wenige große Namen?

    Die erste Hypothese ist insofern plausibel, als das – ähnlich wie beim angeblichen Ingenieursmangel – keines der in einer Marktwirtschaft üblichen Signale zu sehen ist. Gäbe es echten Mangel, gäbe es höhere Preise.

    Die zweite Hypothese ist zu verwerfen, wenn tatsächlich die besten Absolventen der Hochschulen und Ausbildungsanbieter eingereicht haben. Hier müsste der Veranstalter antworten.

    Die dritte Hypothese ist insofern plausibel, als das viele Absolventen bereit sind für wenig Geld und viel Hoffnung auf Ruhm und Ehre bei einer Großagentur anzuheuern, statt Qualität in der Nische zu suchen. Ein Effekt: Die Großen haben es nicht so nötig via Sponsoring zu suchen, für die Kleinen ist es vergebene Liebesmüh.

    Die Anregung nehme ich auf jeden Fall mit zum The Third Club.

    Geschrieben von Sascha Stoltenow | 24. April 2012, 7:12 nachmittags
  10. @Thomas: Das ist auf jeden Fall schon mal ein begrüßenswerter Schritt, wenn dieser dann bitte auch vergeben wird ;-). Gleichzeitig denke ich, dass hier noch mehr möglich wäre – unabhängig von diesem Preis, um den Nachwuchs noch stärker an die Branche zu binden. Und warum nicht diesen Gedanken an einen eigenen Nachwuchspreis – ähnlich wie die Preise für junge Journalisten – weiterführen? Nicht als Konkurrenz sondern als Ergänzung, wo dann wirklich der Nachwuchs im Mittelpunkt steht.

    Geschrieben von dominikruisinger | 24. April 2012, 8:04 nachmittags
  11. @Sascha: Ich finde den Perspektiv-Wechsel durchaus spannend. Zur Hypothese 1: Diese klingt grundsätzlich plausibel. Eine längerfristige Auswertung der “Talent”-Jobangebote und “Talent”-Jobsuchen z.B. bei der PR-Journal-Jobbörse u.a. könnte hier Ziffern schaffen, um an dieser Entwicklung nicht die höheren Preise aber immerhin die stärkere Nutzung und damit Suche festzuhalten. Die Hypothese 2 ist wirklich zu verwerfen, da genau dies in diesem Jahr – so Einreichende – passiert ist. Namen erwähne ich hier nicht. Diese müssten von den Betroffenen selbst fallen. Die dritte Hypothese erachte ich als durchaus wahrscheinlich, da genau sich dies – Qualität in der Nische suchen – bei vielen wirklich nicht sehr bekannt ist. Ich bin auf jeden Fall gespannt auf die Fortsetzung der Diskussionen im Third Club.

    Geschrieben von dominikruisinger | 24. April 2012, 8:05 nachmittags
  12. Habe mir nochmal das “Book of the night” aus dem Vorjahr angeschaut und dort keinen Sponsor für diese Kategeorie entdeckt. Das heißt, es geht auch ohne. Damit müsste sich eigentlich der PR Report noch einmal erklären, wenn es denn doch qualitativ gute Einreichungen gab.

    Geschrieben von Oliver Jorzik | 25. April 2012, 9:54 vormittags
  13. @Oliver: Sehr gute Beobachtung. Und ja, vom PR Report würde ich auch eine Stellungsnahme erwarten bzw. mich darüber freuen, warum dieses Jahr die Kategorie gestrichen wurde. Denn alle bisherigen Begründungen scheinen mir nicht wirklich stichhaltig.

    Geschrieben von dominikruisinger | 25. April 2012, 12:29 nachmittags
  14. Werte Damen und Herren, vielen Dank für die Diskussion an dieser Stelle, auch für die “Gedankenspiele”. In der Tat hat die Jury im Vorfeld eine souveräne Entscheidung getroffen, auf wir in der Redaktion und schon gar nicht im Verlag Einfluss nehmen konnten oder wollten. Insofern ist ein Zusammenhang mit dem Sponsorship Humbug, Hinterhrund ist vielmehr die geringe Zahl der Einreicher – es gab nur drei. Mir liegt Nachwuchsförderung – auch im Rahmen dieses Preises – sehr am Herzen – insofern ist das Signal tatsächlich unglücklich, auch wenn ich das Urteil der Jury unbedingt unterstütze. Ich kann die Situation also nur zum Anlass nehmen, die Kategorie Nachwuchs für die kommende Saison so weiter zu entwickeln, dass sie bei der Jury, dem Nachwuchs und der Branche mehr Anklang findet. Der Juryvorsitzende und langjährige PR Report-Chef, Sebastian Vesper, hat eine kurze Stellungnahme zu dem Thema geschrieben: http://prreport.de/home/aktuell/article/5472-ein-armutszeugnis-wahrhaftig/ Vor neuen Gedankenspielen sind sowohl er als auch ich immer gerne ansprechbar! Herzliche Grüße aus Düsseldorf!

    Geschrieben von Nico Kunkel | 26. April 2012, 9:30 vormittags
  15. Lieber Herr Kunkel,
    herzlichen Dank für Ihre Ausführungen, über die wir uns hier wirklich gefreut haben, da sie – gemeinsamen mit dem Beitrag von Sebastian Vesper – einiges an Helligkeit ins Dunkle gebracht haben. Kurz einige Kommentare von meiner Seite dazu:

    1) Hol- und Bringschuld bei Informationen: Sie dürfen sich wirklich nicht wundern, dass hier und auch an anderer Stelle wie im PR-Journal solche Diskussionen aufgekommen sind. Es wäre eigentlich ein Leichtes gewesen, nicht erst jetzt nach einer Woche sondern bereits viel früher auf die fehlenden Einreichungen hinzuweisen. Ganz ehrlich hätten Sie es sich denken können – und spätestens beim Kommentar im PR Journal auch lesen können -, dass diese Entscheidung auf völliges Unverständnis in der Branche stößt. Ein Hinweis auf der Bühne oder im Heft über den durchweg kritisch zu sehenden Fakt, dass nur drei Personen als Kandidaten vorgeschlagen worden waren, hätte die Diskussion in eine andere Richtung geführt, nämlich: Wie kommt es dazu, dass nur drei Studierenden dazu motiviert werden konnten, sich bei den PR Report Awards zu bewerben? Ist dieser Preis für Studierende nicht interessant? Haben nicht ausreichend Professoren diese Chance für Ihre Studierenden erkannt, sich hier vor diesem Fachpublikum zu präsentieren? Wenn Ihre Moderatorin stattdessen davon spricht, dass keiner der Eingereichten den Ansprüchen der Jury entsprach (entschuldigen Sie, falls ich die exakte Wortwahl nicht mehr genau zusammenbringe), war dies mit Sicherheit die falsche Formulierung – und brachte erst vieles ins Rollen. Wie gesagt: Ein Hinweis im Vorfeld oder im Anschluss hätte vieles in eine andere Richtung getrieben.

    2) Unabhängigkeit der Jury: Als Journalist kann ich es nur unterstützen, dass Ihre Jury frei von äußeren Einflüssen auch des Veranstalters ist. Und dies muss natürlich auch so bleiben. Gleichzeitig wäre es schon interessant zu erfahren, welche grundsätzlichen Kriterien eine Jury an die Qualitäten in der Rubrik “Student/in des Jahres” stellt – die zumindest mir nicht bekannt sind. Vom vergangenen Jahr weiß ich von gleich mehreren hervorragenden Bewerbern, die vorgeschlagen worden waren. Und mit Martin Höfelmann hatte die Jury auch einen Top-Nachwuchs-Mann zum Gewinner gekürt. Aber anders gefragt: Ist es nicht sonderbar, dass plötzlich in diesem Jahr keiner der drei Bewerber mehr die Kriterien erfüllen konnte? Diese Frage darf man sich doch stellen – auch wenn die Antwort natürlich nur Ihre Jury kennt.

    3) Motivation von Studierenden: Die Möglichkeit, dass sich nicht genug Studierenden beworben haben bzw. vorgeschlagen haben, hatte ich bereits in meinem Ausgangs-Post angedeutet. So habe ich darauf gedrängt, dass Professoren und Dozenten “ihre Studierenden (weiterhin) verstärkt auf solche Chancen aufmerksam machen und sie zur Bewerbung motivieren” müssen. Dabei habe ich mich übrigens mit eingeschlossen – schließlich unterrichte ich selbst an diversen Hochschulen und Ausbildungseinrichtungen unserer Branche – wenn auch nicht als Professor so doch als Lehrbeauftragter und freier Dozent.

    4) Fehlender Sponsor: Wenn Sie die Diskussionen hier verfolgt haben, dann haben Sie sicherlich herausgelesen, dass das Thema – fehlender Sponsor – nur ein Thema von vielen war und sicherlich nicht das Top-Thema. Beispielsweise hat Oliver Jorzik darauf hingewiesen, dass dies bereits im vergangenen Jahr so war. Auch ich selbst habe betont, dass mir alle bisherigen Begründungen nicht wirklich stichhaltig erscheinen. Wir waren also hier auf der Suche nach den Gründen und den Hintergründen, die niemand finden konnte.

    Sie sehen: Wir haben hier auf Ihren Kommentar bzw. das Schreiben von Sebastian Vesper gewartet. Gleichzeitig sollte sich der PR Report in Zusammenarbeit und in Gesprächen mit den Hochschulen schon Gedanken machen, wie sich künftig diese Zahl der Einreichungen und ihrer Qualität erhöhen ließe, um dieses negative Bild nach außen bei weiteren Veranstaltungen zu vermeiden. Ich bin aber überzeugt davon, dass Sie dieses Thema mit Sicherheit angehen werden – gerade auch angesichts der Bedeutung des Nachwuchses für unsere Branche.

    Beste Grüße schickt Ihnen
    Dominik Ruisinger

    Geschrieben von dominikruisinger | 26. April 2012, 11:50 vormittags
  16. Ich freue mich ganz ehrlich über den erhöhten Ansporn, sich verstärkt dieser wichtigen Wettbewerbskategorie zu widmen. Vielleicht kann man ja den Benefit, der mit der Auszeichnung verbunden ist, etwas erhöhen, z.B. durch ein spannendes Karriere-Coaching.

    Ob ein Bewerbungsvideo-Clip oder ein universitäres Empfehlungsschreiben als Einreichungskriterien geeignet sind, würde ich aber wenigstens noch einmal kritisch hinterfragen. Denn weder ein selbstproduzierter Werbefilm noch ein universitäres Werbeschreiben haben aus meiner Sicht wirklich etwas mit transparenten Leisungs- oder Persönlichkeitsmerkmalen zu tun. Da muss doch noch etwas mehr gehen.

    Und ich kann mir aus meiner langjährigen Tätigkeit als PR-Dozent nocht vorstellen, dass es nicht geeignete Talente gibt. Ich bin auf so viele starke und engagierte Persönlichkeiten getroffen, die alle Eigenschaften für eine tolle berufliche Karriere mitbringen.

    Vielleicht sollte man auch den Blick einmal weg von den Unis lenken und hin auf die Nachwuchsleute werfen, die sich unter harten Bedingungen im Job beweisen und ihren Ehrgeiz mit zusätzlichen — und anstrengenden — beruflichen Weiterbildungsmaßnahmen ebenfalls glaubhaft belegen können.

    Geschrieben von Oliver Jorzik | 27. April 2012, 10:21 vormittags
  17. @Oliver: Das sehe ich genauso. Clips und Schreiben sind hier nicht wirklich tauglich, um die Qualität eines Bewerbers wirklich bewerten zu können. Um diese vielen engagierten Persönlichkeiten herauszufinden, muss man sicherlich einen ganz anderen Weg gehen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man dies eher über eine kleine Ausschreibung realisieren könnte – und dies für unterschiedliche Nachwuchskategorien wie Absolventen, Trainees/Volontäre, Junioren. Auf diese Weise würde man konkret die Umsetzung einer Aufgabe in die Praxis bewerten können – und exakt das, was u.a. die Agenturen von ihren “Talents” erwarten.

    Geschrieben von dominikruisinger | 30. April 2012, 9:28 vormittags
  18. Vielleicht sollte man das Einstiegsgehalt für Volontäre und Junioren erhöhen, die Arbeitszeiten auf ein menschenwürdiges Ausmass reduzieren, die Sozialkompetenz von diversen Agenturchefs versuchen, in Grundlagenseminaren zur Personalführung herauszubilden, die Unsitte von Langzeitpraktika abschaffen und generell man an der Reputation der Branche arbeiten. Dann bekommt man auch qualifiziertes und älteres Personal, das länger als zwei-drei Jahre bleibt.

    Geschrieben von Klaus | 5. Mai 2012, 1:48 nachmittags
  19. und mal ganz ehrlich: wen bitte schön interessiert, ob bei Branchenawards, die darauf beruhen, dass sich der PR-Zweig selbst beweihräuchert bzw. dass alle namhaften großen Agenturen schön mit Preisen bedient werden, ein Award für Studenten vergeben wurde? Vielmehr macht sich stark das Gefühl breit, Preise werden bereits für eine Handvoll Clippings vergeben.

    Geschrieben von Klaus | 5. Mai 2012, 1:53 nachmittags
  20. @Klaus: Ich finde es schon wichtig, wenn sich die Branche gerade bei solchen Awards schon Gedanken über ihre eigene Zukunft macht. Und dies zum Beispiel gerade in Form von Nachwuchspreisen. Am Besten sollte sie diese sogar noch viel stärker in den Vordergrund stellen, um deren Bedeutung und Beachtung zu betonen. Auch die Veranstaltung einer eigenen Veranstaltung, die sich ganz auf das Thema Nachwuchs fokussiert und gute Arbeiten mit Preisen belohnt, wäre ein wichtiger Schritt – abseits von diesen großen Branchenevents.

    Gleichzeitig – und da gebe ich dir sofort recht – genügt das nicht. Es geht sicherlich auch darum, den Einstieg zu verbessern, um auf diese Weise Nachwuchs noch stärker zu binden. Nur bin ich hier etwas vorsichtig bei der Verallgemeinerung. Neben einigen schwarzen Schafen und Negativbeispielen kenne ich doch auch einige gute Exempel, wie sich Unternehmen ganz vorbildlich um ihren Nachwuchs kümmern. Wenn wir irgendwann dies als allgemeinen Maßstab definieren könnten, wären wir sicherlich einen Schritt weiter. Aber bis dahin dauert es wohl noch etwas. Leider.

    Geschrieben von dominikruisinger | 5. Mai 2012, 2:42 nachmittags
  21. Vorbildlich um den Nachwuchs kümmern (bedeutet wohl, Aufstiegschancen schaffen, Weiterbildungen anbieten, Übernahmechancen erhöhen) ersetzt aber aber nicht das Wesentliche: ein vernünftiges Einstiegsgehalt und “familienfreundliche” Arbeitszeiten.

    Geschrieben von Klaus | 7. Mai 2012, 7:51 nachmittags
  22. Das zähle ich eigentlich mit, wenn ich davon schreibe, den Nachwuchs noch stärker zu binden. Denn ohne vernünftige Bezahlung wird der Rest gar nicht möglich sein.

    Geschrieben von dominikruisinger | 7. Mai 2012, 10:47 nachmittags
  23. dann sollte man doch mal Ross und Reiter benennen: Welche Agentur zahlt mehr als 1.550 Euro Volontärsgehalt? Media Consulta nicht, Scholz & Friends nicht, komm.passion auch nicht, Fischer Appelt ebenfalls nicht, Faktor 3 nicht, Achtung nicht, Serviceplan Public Opinion auch nicht. Bleibt nicht mehr viel. Pleon, Ergo und die amerikanischen Networks könnte ich mir noch vorstellen.

    Geschrieben von Klaus | 7. Mai 2012, 11:45 nachmittags
  24. Ich kann dir dazu nur sagen, dass das PR-Journal genau zu diesem Zweck bald wieder eine Agentur-Befragung starten wird. Darin soll es darum gehen, wie viele Agenturen und Unternehmen in Deutschland nach DJV-Tarif (ca. 1450 Euro/Monat für Volontariat) zahlen. Also warten wir gespannt auf die Ergebnisse.

    Geschrieben von dominikruisinger | 8. Mai 2012, 12:18 nachmittags

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