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Macht ein Corporate Blog speziell für Journalisten Sinn?

Über einen Tweet von Uwe Knaus bin ich vor ein paar Wochen auf das neue Audi-Blog aufmerksam geworden. Nicht dass mich die Marke speziell interessiert oder ich Auto-Blogs sammle; vielmehr machte die Idee mich neugierig: Ein Blog für Journalisten. Wie würde sich dieses von einem klassischen Corporate Blog unterscheiden?

Zum Hintergrund: Audi hat dieses Blog zum diesjährigen Automobilsalon in Genf gestartet, mit dem Ziel, so Toni Melfi, Leiter Audi Kommunikation, “einen Blick hinter die Kulissen zu geben” und “für Journalisten und Online-Multiplikatoren einen weiteren Kommunikationskanal zu schaffen, der Audi aus einer anderen Perspektive zeigt.”

Grundsätzlich ein interessanter, richtiger Gedanke. Ein klein wenig skeptisch wurde ich beim folgenden Satz in der Blogvorstellung: “Die hier veröffentlichten Inhalte (…) werden von Mitarbeitern der Audi Kommunikation für Sie aufbereitet – allen voran schauen unsere Volontäre hinter die Kulissen.” Stimmt, von den 16 Redakteuren der Audi-Kommunikation, die hinter dem Blog stehen, ist die Hälfte Volontäre. Nicht dass ich diese nicht ausreichend schätzen würde. Ganz im Gegenteil. Nur: Sollte nicht gerade solch eine sensible Business-to-Multiplier-Kommunikation ganz oben angesiedelt sein? Andererseits kann vielleicht ein frischer Blick für ein lebhaftes Blog durchaus hilfreich sein.

Zu den Inhalten: Was dürfen wohl Journalisten und Online-Multiplikatoren im Blog als Content erwarten? “Unsere Produkte, Technik und Design werden in diesem Blog eine große Rolle spielen”, heißt es in “über das Blog“. “Mit Messereportagen, Hintergrundberichten, Expertenbeiträgen und Interviews bieten Ihnen unsere Autoren einen exklusiven Einblick in die Welt von Audi.”

Die Beiträge sind auch durchaus interessant zu lesen und bilden einen Mix aus Text, Bild und Video ab – über GTI-Treffen (Veranstaltungen), Ausstellungen im Audi Kunstraum, Bildern von Automessen und Motor Shows, Videos vom driftenden Audi R8, Interviews mit Audi-Mitarbeitern und sogar ein Video über Waldis DTM Club mit dem Audi Sportchef. Selbst die werbliche Markenkampagne der Audi AG auf allen großen Privatsendern, wie betont wird, erhält einen eigenen Beitrag. Warum dies Journalisten interessieren soll, verstehe ich nicht.

Nun zum Mehrwert: Mmmhhh, je länger ich mir das ansehe, desto skeptischer werde ich. Keineswegs von der Qualität. Nur: Warum richtet sich dieses Blog speziell an Journalisten und Medienprofis? Worin unterscheidet es sich? Sind dies nicht alles Stories, die ich auch in jedem ganz “normalen” Corporate- oder Marken-Blog erwarte? Wo ist der wirkliche Mehrwert für Journalisten?

In diesem Kontext stellt sich mir die Frage, ob ein Blog speziell für Journalisten und Blogger sinnvoll ist. Denn sind nicht beide Gruppen schon per se eine Blog-Leserkernzielgruppe? Gerade als mögliche Multiplikatoren bzw. Meinungsführer? Außerdem: Journalisten wie Blogger erwarten, leben bzw. interessieren sich insbesondere für exklusives Material, als Basis für ihre weiter reichenden Recherchen. Aber ist dies in einem Blog, das diese Informationen bereits publiziert hat und dieses damit in die allgemeine Öffentlichkeit streut, überhaupt möglich? Ich bin hier doch mehr als skeptisch. Oder richtet sich Audi doch eher (rein) an die Social Media Multiplikatoren-Fraktion?

Mein Fazit: Das Audi-Blog ist ein gut gemachtes Corporate Blog, das sauber aufbereitete Informationen rund um die Marke bietet. Aber ein Blog speziell für Journalisten und Multiplikatoren sehe ich darin aus obigen Gründen nicht – und macht auch aus meiner Sicht wenig Sinn. Vielleicht straft mich Audi mit seinem Ansatz noch Lügen.

Auf jeden Fall werde ich wiederkommen – als Journalist, Social Media Multiplier und ganz normaler Leser. Immerhin diese neugierige Seite hat dieses Blog bei mir geweckt. Aber reicht das? Und wie seht ihr diesen Blog-für-Journalisten-Ansatz? Gibt es dafür noch andere Beispiele?

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Über dominikruisinger

Ideen, Gedanken, Anmerkungen von Dominik Ruisinger – Journalist, Dozent, Coach, PR-Berater, Autor der Fachbücher 'Online Relations' und 'Public Relations'

Diskussionen

6 Gedanken zu “Macht ein Corporate Blog speziell für Journalisten Sinn?

  1. Soweit ich weiß, wird/wurde die Idee eines Blogs für Journalisten in einigen Unternehmen gewälzt – meist aber mit dem Ansatz, etwas Exklusives zu bieten, ein solches Blog also nicht öffentlich zu machen und Journalisten mehr zu bieten als Meldungen, die auf einem anderen Kanal verteilt werden. Und dafür ein Konzept zu finden, ist sicher nicht ganz einfach.

    Dass so etwas gelingen kann, ist für mich vorstellbar. Man könnte ja zum Beispiel Skype-Calls oder Google Hangouts integrieren und verschiedene Gesprächsformate mit Experten oder Managern anbieten etc. Solange “normale” Blogposts das Konzept sind, bin ich jedoch skeptisch, ob das genügt, um Journalisten in ein Blog zu locken. Wir haben mal ein paar Fachjournalisten dazu befragt und sind auf einige Skepsis gestoßen. Hinzu kommt die Frage, ob Journalisten, die untereinander Konkurrenten sind, ein solches Blog auch lebendig machen und diskutieren würden.

    Zum Umsetzung des Audi-Blogs ist auch mein Eindruck: Vernünftig gemachtes Corporate Blog, aber ohne speziellen Zusatznutzen für Journalisten. (Wobei ich natürlich keiner bin und insofern hierzu nicht wirklich sicher urteilen kann).

    Verfasst von Thomas Pleil | 1. Juni 2012, 9:28 vormittags
  2. Ich glaube auch, dass man grundsätzlich schon ein Blog speziell für Journalisten entwickeln könnte – solange man wirklich die Exklusivität bieten könnte. Und Hangouts, Skype-Calls, Videoconferencing würden hier schon einiges an Möglichkeiten bieten, um den individuellen Kontakt und eine spezifische Informationsvermittlung aufzubauen und zu pflegen. Ich hatte auch auf diese neuen Formate bei der Untersuchung des Audi-Blogs gehofft. Nur haben sich die Macher des Blogs dann doch für ein klassisches Corporate Blog ohne speziellen Journalisten-Mehrwert entschieden – wie wir beide es ja gemeinsam so sehen.

    Verfasst von dominikruisinger | 1. Juni 2012, 10:55 vormittags
  3. Wenn Thomas Pleil als Erster auf solch fundierte Gedanken kommentiert, gibt’s meist nicht mehr viel hinzuzufügen. Nur so viel: Ich glaube auch nicht, dass Exklusivität bei einer Gruppe von Journalisten funktioniert – außer es bekommt sie einer alleine. Dann hat er einen Wettbewerbsvorteil, der die Auflagezahlen seiner Publikation steigern kann. Solche Informationen dürften hier aber kaum ausgetauscht werden.
    Da es ein öffentlich zugängliches Blog ist, spricht es alle Interessierten an, egal was im “about” steht.

    Verfasst von Uwe Knaus (@uknaus) | 1. Juni 2012, 11:04 vormittags
    • Ob ein exklusives Angebot für (mehrere) Journalisten funktioniert oder nicht, ist für mich auch eine extrem spannende Frage. Ich vermute, das kommt auch ein wenig auf die Branche an – Game-Journalisten denken da vielleicht anders als Auto- oder Umweltjournalisten. In ein paar Monaten dürften wir mehr wissen: Dann sollte zumindest für eine Branche eine herstellerübergreifende Community mit Social Media-Bausteinen exklusiv für Journalisten online sein.

      Verfasst von Thomas Pleil | 1. Juni 2012, 2:55 nachmittags
      • Auf diese Community bin ich aber wirklich sehr gespannt. Vor allem auf die Branche. Welche wird es wohl sein? Und exklusiv für Journalisten … wahrscheinlich eher für Online-Multiplikatoren und die wenigen wirklich Social Media gestärkten Journalisten.

        Verfasst von dominikruisinger | 1. Juni 2012, 3:28 nachmittags
  4. Genau darum würde ich es auch als deutlich ehrlicher erachten,wenn die Macher von einem Corporate Blog oder auch Mitarbeiterblog sprechen würden. Denn auf mich wirkt dieses “Blog für Journalisten und Online-Multiplikatoren” doch etwas nach einer “PR-Maßnahme” – ohne, dass dies jetzt böse klingen soll.

    Verfasst von dominikruisinger | 1. Juni 2012, 1:15 nachmittags

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